Wort zur Wochenmitte

von Pfarrer Klaus Pfaller

Das Video lässt trotz aller Entsetzlichkeit nicht wegschauen. Es zeigt den schwarzen US-Amerikaner George Floyd bei seiner Festnahme in Minneapolis. Er liegt bäuchlings auf dem Boden, seine Handgelenke sind auf dem Rücken gefesselt. Ein übergewichtiger, uniformierter, weißer Polizist, namens Derek Chauvin, kniet auf ihm. Fast neun Minuten lang. Ein neuer Autopsiebericht legt nahe, dass der Mann daran erstickt ist.

Es ist nicht nachzuvollziehen, dass der fast neun Minuten dauernde Todeskampf George Floyds nicht zu bemerken war. Und auch nicht, dass keiner der umstehenden Polizisten eingriff. Wieder ein Opfer von Polizeigewalt in den USA. Wieder ein Schwarzer.

Seit das Video in Umlauf kam, befinden sich die USA im Protestmodus. Die meisten Demonstrationen und Kundgebungen verlaufen und verliefen friedlich, aber es gab auch gewaltsame Übergriffe, Zerstörungen, Plünderungen, Schüsse auf Polizisten. Besonders nachts, während die Proteste tagsüber gewaltlos verliefen. Wieder einmal bricht die zeitlose Wunde Rassismus auf. Selbst das 21. Jahrhundert hat die alten Wunden und Gräben von Benachteiligung, Diskriminierung und Hass nicht schließen können.

Im Gegenteil, es bleibt der Eindruck einer nachhaltigen Vertiefung. Gerade jetzt in der Coronakrise zeigte sich, dass schwarze US-Bürger besonders betroffen sind. Nicht erst bei den Todeszahlen. Schwarze sind häufiger infiziert als andere, wozu die in ihrer sozialen Schicht häufig anzutreffende Ernährungsweise und fehlende Krankenversicherungen und Gesundheitsfürsorge beitragen. Anders gesagt: Wer arm ist ernährt sich schlechter, leidet an Übergewicht und Diabetes, kann sich keine Krankenversicherung leisten und ist bildungsmäßig und medizinisch in einer prekären Lage.

Die Coronakrise hat das Leiden an dieser Situation verschärft und den Blick auf die strukturelle Gewalt geschärft. So trifft der Tod von George Floyd wie ein Brandpfeil in eine angespannte und verzweifelte Gemengelage. Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts von Arbeitslosigkeit, sozialer Not und Ungerechtigkeit, Bedrohung durch Krankheit und rassistische Polizeigewalt finden ein Ventil in gewaltsamen Ausschreitungen. Die Mehrheit der Demonstrationen gegen Polizeigewalt, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit verlaufen jedoch friedlich.

Außer sie finden zur falschen Zeit am falschen Ort statt. So wurde eine friedliche Demonstration vor dem Weißen Haus sehr rüde und gewaltsam aufgelöst. Die Demonstranten waren dem Präsidenten im Weg, der auf dem Weg zur geschlossenen St. John's Church schräg gegenüber von seinem Amtssitz war. Vor dieser Kirche posierte er mit einer Bibel in der Hand für die Pressefotografen. Im Hintergrund kann man lesen, dass momentan alle Gottesdienste Online stattfinden.

Daran wird der Mann mit der Bibel in der Hand höchstwahrscheinlich nicht teilnehmen. Ihm ging es um die Verkündung einer ganz anderen Botschaft. Er werde nämlich schwer bewaffnetes Militär einsetzen, um die Gewalt niederzuschlagen und Konflikte zu beenden. Donald Trump wird, allen Entschuldigungen und Deeskalationsversuchen anderer Politiker zum Trotz, Recht und Ordnung wieder herstellen.

Für diese Drohung nahm er die Bibel als Symbol in die Hand. Ausgerechnet die Bibel. Warum kein Maschinengewehr? Gesponsert von der Waffen- und Rüstungsindustrie? Keine Heilige Schrift einer Weltreligion hat das verdient.

Die dortige Kirchenleitung sieht das ebenso. Sie protestierte gegen den Zynismus und die Geistlosigkeit des Präsidenten. Bibel und Gewaltandrohung passen nicht zusammen. Die Summe der Bibel ist eine andere und nur als Ruf zu Deeskalation, Gewaltverzicht und Frieden zu begreifen. Wenigstens an diesem Punkt zeigt das 21. Jahrhundert Früchte nach einer langen destruktiven Geschichte!

Barmherziger Gott,
lass uns nicht allein
in unserem Erschrecken
über Hass und Rassismus.

Lass die Erkenntnis wachsen,
dass die Ausübung von Gerechtigkeit
und die Beseitigung sozialer Ungerechtigkeit
Gewalt eindämmen und verhindern.

Entgifte die Köpfe
von geistlosem Fanatismus.
Lass Respekt entstehen,
der von Verständnis, Anerkennung und Zuneigung gespeist wird.

Lass uns die politischen Götter vom Thron stoßen
und Verstand, Toleranz und Weisheit an ihre Stelle setzen.
Lass uns wachsen auf dem Weg durch unsere Zeit, damit wir die richtigen Einsichten und Impulse einbringen und deinem Geist ein Klangkörper werden. Amen!


Zu Pfingsten

Eine Schale will ich sein
empfänglich für Gedanken des Friedens
    eine Schale für dich, Heiliger Geist.

Meine leeren Hände will ich hinhalten
offen für die Fülle des Lebens
    leere Hände für dich, Heiliger Geist.

Mein Herz will ich öffnen
bereit für die Kraft der Liebe
    ein Herz für dich, Heiliger Geist.

Gute Erde will ich sein
gelockert für Samen der Gerechtigkeit
    gute Erde für dich, Heiliger Geist.

Ein Flussbett will ich sein
empfänglich für das Wasser der Güte
    ein Flussbett für dich, Heiliger Geist.
Anton Rotzetter

 

Gute Nachrichten in schweren Zeiten

Es tut gut und ist schön, die Tiere und Pflanzen in der freien Natur zu beobachten, die sich so ganz im Sinne Jesu gar keine Sorgen um ihr Ergehen machen.

Der öffentliche Raum in der Stadt mit seinen Plätzen und seiner Architektur wird intensiver wahrgenommen. Sonst übersehene gestalterische Elemente werden ganz neu entdeckt.

Der Wert dessen, was vorher selbstverständlich zu sein schien und jetzt vermisst wird, tritt neu ins Bewusstsein der Menschen. Viele werden dankbarer für Kleinigkeiten.

Endlich können wir trotz aller Einschränkungen wieder miteinander Gottesdienst feiern.

Viele Menschen entdecken neu, dass unser Leben mehr ist als die Summe oder das Ergebnis unserer Planungen. Die jetzt erforderliche Flexibilität lässt uns auch Ungewohntes ausprobieren.

Wir leben stärker im Hier und Jetzt. Wir erfahren, dass vieles nicht planbar und machbar ist. Wir müssen nichts erzwingen, sondern können die Zukunft einfach auf uns zukommen lassen.

Europa und die ganze Welt bekommen die große Chance, miteinander Lösungen für Probleme und Wege in eine menschlichere Zukunft zu suchen.

Weil die Menschen mehr an andere denken als bisher werden alte Kontakte aufgefrischt und es wird aufrichtiges Interesse am Ergehen alter Bekannter zum Ausdruck gebracht.

Kinder geben ein gutes Vorbild im Umgang mit Hygiene- und Abstandsregeln und sind oft vernünftiger als manche Erwachsene, obwohl sie doch selber sehr unter den eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten leiden.

Das Leben draußen ist in diesen Zeiten wegen geringerer An-steckungsgefahr sicherer als das Leben drinnen. Wie gut, dass jetzt die warme Jahreszeit beginnt und wir den Sommer ganz bewusst nutzen können!

Das Lesen erfährt eine Renaissance, egal ob in Papier- und Buchform oder digital.

Eine alte irische Weisheit kann in dieser Zeit Mut machen: Am Ende wird alles gut! Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende!

Leiten Sie Ihre eigenen guten Nachrichten weiter an uns, damit auch andere Menschen sie lesen können! Danke!
Kontakt: Pfarrer Ralf Honig - Tel: (089) 780 728 792 - E-Mail: ralf.honig(at)elkb.de

der weg geht weiter

 

Offene Kirche


Gemeinschaft und Segen

Gottesdienst
an Sonn- und Feiertagen um 9:30 Uhr

LichtBlick am Sonntag
(einmal im Monat) um 11:00 Uhr
http://gethsemanekirche-muenchen.de/lichtblick-am-sonntag

Andacht für die Schöpfung
(einmal im Monat am Freitag) um 11:00 Uhr
http://gethsemanekirche-muenchen.de/sch-pfungsandachten

Gebet und Stille

Zeit zum Verweilen in der Kirche
Montag bis Freitag von 9:00 Uhr bis 11:00 Uhr

Gespräch und Seelsorge

Offene Kirche - für alle
Montag bis Donnerstag von 18:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Offline - für Jugendliche
Freitag von 18:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Kirchenmittag - für Familien
Samstag von 12:00 bis 13:00 Uhr
http://gethsemanekirche-muenchen.de/kirchenmittag

GeTrost - für Trauernde
(einmal im Monat am Samstag von 10:00 Uhr bis 11:00 Uhr)
http://gethsemanekirche-muenchen.de/getrost-ein-angebot-f-r-trauernde

 

Gottesdienste in Gethsemane

Wir freuen uns, dass wir wieder Gottesdienste anbieten und mit Ihnen feiern können.

Sie werden bei Ihrer Ankunft vor und in der Kirche von netten Menschen betreut, die Sie auf mögliche Sitzplätze und die Wege im Kirchenraum hinweisen.

Bitte unterstützen Sie das Engagement unserer Ehrenamtlichen durch
- das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes
- das Einhalten des Mindestabstandes von zwei Metern.

Dann bis bald in Gethsemane!

 

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