Täglich: Psalmverse und Bonhoeffer

Die Psalmen haben Dietrich Bonhoeffer viel bedeutet.
"Der Psalter ist die große Schule des Betens überhaupt. Je tiefer wir in die Psalmen wieder hinein wachsen, und je öfter wir selber gebetet haben, desto einfacher und reicher wird unser Gebet werden."
Quelle: Gemeinsames Leben/Das Gebetbuch der Bibel

Darum für jeden Tag ein paar Psalmverse und ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer. Sie wiederholen sich über die Monate und durch das Jahr. So können sie in uns in die Tiefe wachsen und sich entfalten. Diese Art von Wiederholungen ist nicht Langeweile, sondern wie ein Glockenschlag für die Seele.

Mittwoch, 22. September
Errette mich, mein Gott, von meinen Feinden
und schütze mich vor meinen Widersachern.
Denn siehe, Herr, sie lauern mir auf;
ich habe nichts verschuldet;
sie aber laufen herzu und machen sich bereit.
Erwache, komm herbei und sieh darein!
Aber du, Herr, wirst ihrer lachen
und aller Völker spotten.
Meine Stärke, zu dir will ich mich halten;
denn Gott ist mein Schutz.
Gott erzeigt mir reichlich seine Güte.
Ich aber will von deiner Macht singen
und des Morgens rühmen deine Güte;
denn du bist mir Schutz und Zuflucht in meiner Not.
Meine Stärke, dir will ich lobsingen;
denn Gott ist mein Schutz, mein gnädiger Gott.
Verse aus Psalm 59

Woran liegt es, dass meine Gedanken so schnell von Gottes Wort abweichen und dass mir zur nötigen Stunde das nötige Wort oft nicht gegenwärtig ist? Vergesse ich denn zu essen und zu trinken und zu schlafen? Warum vergesse ich Gottes Wort? ... Woran Leib und Seele hängt, das kann ich nie vergessen. Je mehr ich die Ordnungen Gottes in Schöpfung und Wort zu lieben beginne, desto gegenwärtiger werden sie mir zu jeder Stunde sein. Gegen das Vergessen schützt nur die Liebe. Weil Gottes Wort in der Geschichte und d.h. in der Vergangenheit zu uns gesprochen hat, darum ist die Erinnerung, die Wiederholung des Gelernten täglich nötige Übung. Wir müssen jeden Tag aufs neue zurück zu den Heilstaten Gottes, um vorwärts gehen zu können. … Aus der Erinnerung und Wiederholung lebt Glaube und Gehorsam. Erinnerung wird zur Kraft der Gegenwart, weil es der lebendige Gott ist, der einst für mich gehandelt hat und mich heute dessen vergewissert."
Dietrich Bonhoeffer

Dienstag, 21. September
Höret zu, alle Völker;
merket auf, alle, die in dieser Zeit leben,
einfache Leute und Herren,
Reich und Arm, miteinander!
Mein Mund soll Weisheit reden,
und was mein Herz sagt, soll verständig sein.
Verse aus Psalm 49

"Weisheit ist etwas anderes als Wissen und Verstand und Lebenserfahrung. Weisheit ist das Geschenk, den Willen Gottes in den konkreten Aufgaben des Lebens zu erkennen."
Dietrich Bonhoeffer

Montag, 20. September
Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört,
unsre Väter haben's uns erzählt,
was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters.
Täglich rühmen wir uns Gottes
und preisen deinen Namen ewiglich.
Doch nun verstößt du uns
und lässt uns zuschanden werden.
Wach auf, Herr! Warum schläfst du?
Werde wach und verstoß uns nicht für immer!
Warum verbirgst du dein Antlitz,
vergissest unser Elend und unsre Drangsal?
Denn unsre Seele ist gebeugt zum Staube,
unser Leib klebt am Boden.
Mache dich auf, hilf uns
und erlöse uns um deiner Güte willen!
Verse aus Psalm 44

"Man muss damit rechnen, dass die meisten Menschen nur durch Erfahrungen am eigenen Leibe klug werden. So erklärt sich erstens die erstaunliche Unfähigkeit der meisten Menschen zu präventivem Handeln jeder Art – man glaubt eben selbst immer noch, um die Gefahr herumzukommen, bis es schließlich zu spät ist; zweitens die Stumpfheit gegenüber fremdem Leiden; proportional mit der wachsenden Angst vor der bedrohlichen Nähe des Unheils entsteht das Mitleid."
Dietrich Bonhoeffer

Sonntag, 19. September
Biete auf, Gott, deine Macht,
die Macht, Gott, die du an uns bewiesen hast.
Ihr Königreiche auf Erden, singet Gott,
lobsinget dem Herrn!
Er fährt einher durch die Himmel,
die von Anbeginn sind.
Siehe, er lässt seine Stimme erschallen, eine gewaltige Stimme.
Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist über Israel
und seine Macht in den Wolken.
Zu fürchten bist du, Gott, in deinem Heiligtum.
Er ist Israels Gott.
Er wird dem Volk Macht und Kraft geben.
Gelobt sei Gott!
Verse aus Psalm 68

"Gott will uns leiten. Nicht alle Wege der Menschen sind Gottes Führung; wir können oft lange auf eigenen Wegen gehen; auf ihnen sind wir ein Spielball des Zufalls, ob er uns Glück oder Unglück bringt. Die eigenen Wege führen im Kreise immer zu uns selbst zurück. Gottes Wege führen zu Gott. Gott leitet uns durch Glück und Unglück immer nur zu Gott. Daran erkennen wir Gottes Wege."
Dietrich Bonhoeffer