Unsere Glocken

 

 

 

"Wenn am Sonnabend abends im 6 Uhr die Glocken der Gefängniskirche läuten, dann ist das schönste Augenblick, um nach Hause zu schreiben. Es ist merkwürdig, was für eine Gewalt die Glocken über den Menschen haben und wie eindringlich sie sein können. Es verbindet sich so vieles aus dem Leben mit ihnen. Alles Unzufriedene, Undankbare, Selbstsüchtige schwindet dahin. Es sind lauter gute Erinnerungen, von denen man auf einmal wie von guten Geistern umgeben ist; als erstes sind es immer stille Sommerabende in Friedrichsbrunn, die mir gegenwärtig werden, dann all die verschiedenen Gemeinden, in denen ich gearbeitet habe, dann die vielen schönen häuslichen Feste, Trauungen, Taufen, Konfirmationen – morgen wird mein Patenkind konfirmiert! - man kann es gar nicht aufzählen, was da alles lebendig wird."

Dietrich Bonhoeffer: Aus Widerstand und Ergebung, Brief vom 3. Juli 1943