Schöpfungsandachten

Andachten für die Schöpfung live

freitags um 11:00 Uhr in der Gethsemanekirche
Freitag, 17. Dezember
Freitag, 21. Januar

Schöpfungsandachten zum Lesen

Gedanken zum 19. November 2022
von Pfarrer Ralf Honig

Umkehr

Andacht für die Schöpfung am Freitag, genau auf halbem Weg zwischen Buß- und Bettag und Ewigkeitssonntag. Oder anders gesagt: zwischen der Änderung des Lebens und der Hoffnung auf Gottes neue Welt. Beides gehört zusammen.

Ganz am Beginn seines Wirkens, nach seiner Taufe im Jordan und der teuflischen Versuchung in der Wüste, macht Jesus das gleich deutlich, wenn er sagt: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1, 15)

„Tut Buße!“ Das griechische Verb im Urtext meint genau genommen: „Denkt um! Ändert euren Sinn!“ Es geht also um eine radikale Kurskorrektur. Die Bibel nennt das Umkehr. Viel zu lange haben wir das Büßen und Beten nur auf unser menschliches Dasein bezogen, auf Unrecht und Gewalt anderen Menschen gegenüber. Aber auch Gottes Schöpfung haben wir viel zu lange schon Gewalt ungeahnten Ausmaßes angetan. Um sie zu bewahren, brauchen wir dieses radikale Umdenken.

Dadurch wird dann auch sichtbar, dass Gottes Reich nahe ist, wie Jesus sagt. Wenn wir das Evangelium hören, die gute Nachricht von Gottes rettendem Eingreifen, können wir gar nicht anders als umzukehren. Alles andere passt nicht zur Hoffnung auf Gottes neue Welt, auf seinen ewigen Frieden. In den werden nicht nur wir Menschen über aller Grenzen der Zeit und des Raums einbezogen, sondern die ganze Schöpfung, die sich so sehr nach Erlösung sehnt.

Umdenken, umkehren, den Sinn ändern. Und dadurch Hoffnung gegen tödliche Gewalt haben. Das wird in der Taufe konkret. Gott vergibt uns. Er zieht uns aus den Wassern der Schuld und des Todes. Er schenkt uns neues Leben. Und seiner ganzen Schöpfung mit uns. Deshalb ist es gut, zwischen Buß- und Bettag und Ewigkeitssonntag Gottes Schöpfung in den Blick zu nehmen, sich für sie einzusetzen und für sie zu beten.

 

Gedanken zum 22. Oktober
von Pfarrer Ralf Honig

Hoffnung am Horizont

Steht uns das Wasser schon bis zum Hals? Flutkatastrophen rücken näher. Sie ereignen sich nicht nur in weit entfernten Erdteilen, wo schon längst der Meeresspiegel steigt und ganze Landstriche sowie kleine Inseln vor dem Ertrinken stehen - eine der vielen Folgen der von Menschen gemachten Klimakrise und der Erderhitzung.

Flutkatastrophen sind plötzlich auch uns ganz nah. Versiegelte Böden können das Wasser nicht mehr aufnehmen. In ungünstigen Lagen führt das in die Katastrophe. Wir haben kaum noch Zeit, etwas daran zu ändern. Ja, uns steht - nicht nur global betrachtet - das Wasser bis zum Hals.

Aber wie ein Silberstreif am Horizont erscheint der Regenbogen über dem Wasser. Rettung ist in Sicht. Diese Sintflut ist keine Strafe Gottes, sondern von uns selber gemacht. Gott hat ja längst Frieden gestiftet, der seiner ganzen Schöpfung gilt. Am Ende der Sintflutgeschichte sagt Gott zu den Überlebenden aus der Arche: „Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; das soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“ Der Regenbogen mit seinen wunderbaren Farben erinnert uns auch heute an diese Zusage unseres Schöpfers.

Gott hält sein Versprechen. Er hat noch immer Geduld mit uns. Es ist deshalb noch nicht zu spät. Was für ein Anlass für uns Menschen, endlich umzukehren! Wir haben noch immer eine Chance.

Ergreifen wir sie?

 

Gedanken zum 24. September
on Pfarrer Ralf Honig

Globaler Klimastreik

Unser Globus. Der Blick aus dem Weltraum auf unseren Planeten. Die Erde als Ganze. Kostbare und zerbrechlich wirkende farbige Perle in den Weiten des Universums. Was für ein wunderschönes Zuhause hat Gott uns geschenkt!

Keine Grenzen sind zu sehen. Die sind nur künstlich von Menschen gezogen und wirken angesichts dieser Perspektive aus dem All lächerlich. Es gibt sie nur auf unseren Landkarten und in unseren Köpfen. Die Welt ohne Grenzen zu sehen, das ist ein echtes Friedenszeichen.

Und doch hat die Menschheit Gottes guter Schöpfung schon lange den Krieg erklärt. Die Folgen davon kennen auch keine Grenzen. Die Klimakrise ist eine globale. Alles hängt auf unserem Heimatplaneten mit allem zusammen. Viel zu spät beginnen wir das zu verstehen.

Nur gemeinsam können wir auf der Erde endlich gegensteuern. Das haben uns die jungen Menschen von „Fridays for Future“ gelehrt. Der 24. September 2021 ist wieder globaler Tag des Klimastreiks. Es gibt weltweit Demonstrationen und Aktionen. Es ist so wichtig, das Thema wieder in den Vordergrund zu rücken. Nur so können wir den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren und eine weitere Erderhitzung um mehr als 1,5°C verhindern.

Am 26. September 2021 sind Bundestagswahlen. Alle demokratisch gesinnten Parteien haben mehr oder weniger erkannt, dass Umweltpolitik über unsere Zukunft auf der Erde entscheidet.

Wir haben die Wahl. Es gibt keinen Planeten B.

 

Gedanken zum 13. August
von Pfarrer Ralf Honig

Ruhe für die Schöpfung


 
Abendruhe am Ammersee. Kein Tourismuslärm. Einfach Stille. Ein paar letzte Vogelstimmen. Sanfter Wellengang. Der See legt sich schlafen. Eine wunderbare Sommerimpression!

Wie gut tut es der Natur, wenn der Mensch endlich mal Ruhe gibt. Und wie sehr kann der Mensch dann erst so richtig staunen über die Schönheit von Gottes Schöpfung.

Urlaubszeit soll Ruhezeit sein - kein weiterer Terminstress oder Druck zur Selbstoptimierung. Sogar Gott hat doch nach dem vollendeten Schöpfungswerk am siebten Tag geruht. Und er gönnt allen seinen Geschöpfen diese sabbatliche Ruhe, auch den Tieren und Pflanzen. Er befreit uns vom Leistungszwang, der in unserer heutigen Zeit erschreckende Ausmaße angenommen hat.

Unser christlicher Sonntag als Ruhetag ist sogar der erste Tag der Woche - in Erinnerung an Jesu Auferstehung nach der Sabbatruhe. Gott schenkt uns also Zeit zur Erholung im Voraus, nicht nur als Lohn für getane Arbeit. Was für eine großartige Sache!

Jetzt im Sommer gibt es für viele von uns gleich mehrwöchige Ruhe. Wie gut, wenn wir sie auch der Schöpfung gönnen, anstatt sie auch noch in der Ferienzeit mit unserem Freizeit- und Konsumverhalten weiterem Stress auszusetzen.

Einfach mal Ruhe geben und dankbar sein. Und dann können wir uns gestärkt und ausgeruht wieder für die Bewahrung der Schöpfung tatkräftig einsetzen.

 

Gedanken zum 16. Juli 2021
von Pfarrer Ralf Honig

Together for Future

Andacht für die Schöpfung, freitags um elf – warum eigentlich diese Uhrzeit? Nun, sie geht zurück auf die Vor-Corona-Zeit. Die „Fridays-for-Future“-Demonstrationen begannen jeweils um 12:00 Uhr. Vorher gab es ein Gebet in unserer Kirche. So sind sie entstanden, die Andachten um 11 Uhr. Und dann sind wir mit Schüler:innen losgezogen mit dem Transparent des Jugendtreffs „Together for Future“. Einmal waren am Königplatz 50.000 Teilnehmende - heute kaum noch vorstellbar.

Aber das Thema blieb wichtig. Wir haben mit unseren Andachten auch in Corona-Zeiten weitergemacht, als keine Großveranstaltungen mehr möglich waren und das Thema scheinbar in den Hintergrund rückte. Die Anliegen der Kinder und Jugendlichen haben durch die Pandemie nämlich noch an Aktualität gewonnen. Wie beschämend ist es für uns Erwachsene, dass uns die Kinder zeigen, wie ein nachhaltiges, ressourcenschonendes Leben geht - jetzt, nicht erst im zehn oder zwanzig Jahren. Dann wird der Kipppunkt überschritten sein, dann ist es zu spät.

In der Pandemie wurde endlich auf die Wissenschaft gehört. In Sachen Ende der Wachstumsideologie und Umweltschutz war das ein halbes Jahrhundert lang nicht erfolgt. Und jetzt spüren wir die Folgen: Immer mehr Hitzeperioden, gefolgt von schweren Unwettern mit Überschwemmungen. Die Erderhitzung kann nicht mehr allen Ernstes geleugnet werden. Und sie hängt zusammen mit den anderen weltweiten von Menschen gemachten Katastrophen: ungleiche Verteilung der reichen Güter dieser Erde, Waffenexporte an Despoten, Flucht vor Armut, Krieg und den Folgen der Umweltzerstörung, die am schlimmsten die ärmsten Länder treffen. Es hängt alles miteinander zusammen.

Manche sehnen sich nach dem alten Leben vor der Pandemie. Es soll doch bitte alles wie vorher werden. Dabei hat uns doch genau das in diese Lage gebracht und sollte uns die Augen öffnen. Nein, es darf nicht wie vorher werden! Bitte nicht! In München gibt es jetzt an den Straßen immer mehr Blühstreifen mit insektenfreundlichen Pflanzen. Vielen merken: Wir brauchen endlich die Verkehrswende, Frischluftschneisen, begrünte Dächer, den Ausbau der erneuerbaren Energien, ein Ende der Zersiedelung in kleine Einfamilienhäuser. Wir können etwas tun, Gott sei Dank!

Wir brauchen als Voraussetzung für das alles eine radikale Änderung unseres Lebensstils, Umkehr, wie die Bibel es nennt. Und wir bitten Gott bei unserer Andacht für die Schöpfung, dass er seinen Segen auf alles aufrichtige menschlichen Bemühen legt. Allein schaffen wir es nicht. Freitags um elf lassen wir uns daran erinnern, dass es längst fünf vor zwölf ist, mindestens!

 

Gedanken zum 18. Juni 2021
von Pfarrer Ralf Honig

Durch die Taufe sind wir wie neugeboren. Das Wasser ist Symbol für die Abwaschung der Schuld. Gott selber hebt uns aus der Taufe. Das Alte, Selbstbezogene, Sündhafte in uns überwindet er. Er gibt unserem Leben eine neue Ausrichtung, erneuert uns von innen heraus. Von Gottes Seite aus bleibt diese Zusage ein Leben lang bestehen. Zur Taufe dürfen wir immer wieder zurückkehren, wenn wir schuldig geworden sind.

Versündigt haben wir uns über viel zu lange Zeit auch an Gottes Schöpfung. Wir haben sie ausgeplündert und alle Warnungen der Wissenschaft in den Wind geschlagen. Jetzt sind die Folgen unübersehbar: Gletscher- und Polareisschmelze, steigender Meeresspiegel, Fluten und Dürre, Erderhitzung durch noch immer viel zu hohen CO2-Ausstoß. Unsere Sintfluten und anderen Naturkatastrophen sind keine göttliche Strafe, sondern von uns Menschen selber gemacht. Wir sind die erste Generation, die die Folgen unseres ausbeuterischen Lebensstils zu spüren bekommt. Und wir sind die letzte, die daran noch etwas ändern kann.

Auf unserem Taufstein steht seit Beginn der Pandemie als Hoffnungszeichen der Regenbogen. Gottes Friedenszeichen am Ende der Sintflut. Seine Zusage an Noah hat noch immer Bestand: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“ (1. Mose 8 u. 9) Deshalb sollen auch wir Frieden schließen mit allen Kreaturen, die mit uns auf der Erde leben. Unsere Zukunft hängt davon ab, ob uns das gelingt.

Eines steht seit der Sintflutgeschichte ganz sicher fest: Gott will nicht, dass seine Erde untergeht, denn er liebt sie. Und wir? Nehmen wir unsere Taufe und das neue Leben, das aus ihr folgt, ernst? Lassen wir uns von Gott in Sachen Bewahrung der Schöpfung in Dienst nehmen? Haben wir die Courage zur dringend notwendigen Kurskorrektur und zum Beschreiten neuer Wege? Die Antwort geben wir jeden Tag mit unserem Leben. So oder so.

 

Gedanken zum 14. Mai 2021
von Pfarrer Ralf Honig

Leben auf der Erde - ein Zufall? Was musste da alles zusammenkommen, damit auf unserem Planeten Leben entstehen konnte!

Es hat sich eine rechnerisch eigentlich äußerst unwahrscheinliche Konstellation ergeben. Aus dem Staub einer Supernova hat sich die Erde in genau dieser Größe verdichtet. Sie kreist im genau richtigen Abstand um die Sonne; schon ein paar Prozent Abweichung hätten Leben unmöglich gemacht - so wie bei all unseren Nachbarplaneten. Sie hat eine Atmosphäre mit Sauerstoff entwickeln und gerade eben mit ihrer passenden Anziehungskraft halten können. Die Temperatur hat sich auf ein lebensfreundliches Maß eingestellt. Das Magnetfeld hält tödliche Strahlung ab. Und vieles mehr.

Gibt es das noch woanders im Universum? Wir wissen es nicht. Ist das alles einfach nur Zufall? Oder nicht eher ein unerklärliches riesiges Wunder? Wie kleine Kinder können wir darüber nur staunen, gerade wenn wir beim Blick in den Sternenhimmel eine ehrfürchtige Ahnung von dessen unermesslichen Ausmaßen bekommen. Unser Heimatplanet ist ein unendlich wertvolles, zerbrechliches Geschenk Gottes. Als seine Geschöpfe dürfen wir hier und jetzt zusammen mit allen Pflanzen und Tieren leben. Welch ein Privileg!

 

Gedanken zum 16. April 2021
von Pfarrer Ralf Honig

Gestatten: Sepp, die Kirchen-Rabenkrähe



Ich liebe die Gethsemanekirche mit dem Turm und dem schönen Garten. Hier gefällt es mir – ganz ähnlich wie den Amseln und Rotkehlchen, den Spechten und Kleibern, den Blaumeisen - und, ja, auch den Tauben. Ganz zu schweigen von den Eichhörnchen, Igeln und Bienen. Frisches Wasser und so manche Nuss lasse ich mir hier schmecken. Und manchmal schaue ich einfach nur vorbei, um ein bisschen Gesellschaft zu leisten oder mir etwas erzählen zu lassen in so kontaktarmen Zeiten wie diesen.
 
In der Bibel ist von meinen Vorfahren die Rede. Sie bekamen von Gott einen wichtigen Auftrag. Sie brachten dem Propheten Elija Brot und Fleisch, als er sich vor dem bösen König Ahab versteckte, der ihm nach dem Leben trachtete (1. Könige 17, 4-6). Und sogar Jesus erwähnt uns und stellt uns euch Menschen als gutes Vorbild in Sachen Gottvertrauen vor Augen: „Seht euch die Raben an! Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben weder Scheune noch Vorrats-kammer. Aber Gott sorgt für sie.“ (Lukas 12, 24) Ja, so ist es!

Und auch wenn ihr es kaum für möglich haltet: Ich bin ein Singvogel! Mein kerniges Krähen ist kein Geschrei, sondern Gesang in Gottes Ohren. Schon in Psalm 147 heißt es: „Stimmt ein Loblied an für den Herrn. Allen Tieren gibt er Futter, auch den jungen Raben, die zu ihm rufen.“ Wie die Stimmen all der anderen Vögel im Garten erklingt auch meine zum Lob Gottes.

Auch euer Gebet soll ein Loblied Gottes für seine wunderbare Schöpfung sein. Wie gut, dass ihr sie bewahren wollt. Auch dafür ist ja ein Vogel das sichtbare Zeichen: der Grüne Gockel.

 

Gedanken zum 12. März 2021
von Pfarrer Ralf Honig

Hähne auf Kirchtürmen gibt es viele. Sie erinnern uns an Petrus, den Jünger, der doch eigentlich Fels in der Brandung sein sollte. Aber als es darauf ankommt, verlässt ihn der Mut. „Nein, ich kenne diesen Jesus nicht!“, verleugnet er Jesus dreimal. Die Angst davor, auch gefangen zu werden, ist einfach übermächtig. Als kurz darauf der Hahn kräht, erinnert sich Petrus daran, dass Jesus genau das angekündigt hat. Er erschrickt über sich selbst und ist verzweifelt. Trotzdem verstößt Jesus ihn nicht. Als der Auferstandene beruft er ihn aufs Neue.

Wir als Christ*innen sollen uns immer wieder daran erinnern, denn wir sind Petrus auch heute sehr ähnlich und versagen oft, wenn´s drauf ankommt. Aber auch uns gibt Gott nicht auf. Deshalb gibt es Hähne auf Kirchtürmen.

Wir in Gethsemane haben keinen Hahn auf dem Kirchturm, sondern ein Kreuz. Das uralte Erkennungszeichen für die Kirche. Ein Hinweis auf den leidenden Jesus, gerade auch jetzt in der Passionszeit. Und doch haben wir auf andere Weise auch einen Kirchenhahn. An unserer Kirche hängt neben dem Eingang das Schild mit dem Umweltsiegel, dem Grünen Gockel.

Warum ist ausgerechnet ein Hahn das Zeichen für umweltgerechtes Handeln der Kirche? Weil wir auch in Sachen Bewahrung der Schöpfung einen brauchen, der uns wachrüttelt. Weil auch wir viel zu lange versagt und die Erde ausgebeutet haben. Weil auch wir dadurch wider besseres Wissen gehandelt haben und schuldig geworden sind.

Und warum die Farbe Grün? Sie ist nicht nur ein Hinweis auf die grüne Natur, sondern auch ein Zeichen der Hoffnung. Wir müssen die alten Fehler nicht ständig wiederholen. Und wir dürfen hoffen, dass Gott uns und seine Welt nicht verloren gibt. Gut, dass uns der Grüne Gockel immer wieder daran erinnert!

 

Gedanken zum 12. Februar 2021
von Pfarrer Ralf Honig

Ein Blick auf das schneebedeckte Zugspitzmassiv vom gegenüberliegenden Wank aus. Wie schön! Berge flößen in ihrer Erhabenheit und Größe Ehrfurcht ein. Gipfelerlebnisse berühren viele Menschen im Innersten. Die Dinge des Alltags wirken von hier aus klein und unbedeutend. Berge lassen uns staunen und geben uns eine leise Ahnung von Gottes großer Schöpfermacht.

Der Berg ist in der Bibel nicht zufällig immer wieder ein Ort besonderer Gottesbegegnung. Der Himmel ist ganz nah. Wichtige biblische Ereignisse tragen sich deshalb auf einem Berg zu. Mose bekommt auf dem Berg die Zehn Gebote und darf am Ende vom Berg aus noch ins Gelobte Land schauen. Jesus hält an diesem Ort seine Bergpredigt und auch sein Kreuz steht auf einem Berg. Alle diese wichtigen Geschichten sagen uns: Achtung! Augen und Ohren auf! Ihr bekommt es unmittelbar mit Gott zu tun!

Auch die Berge leiden heute unter unserem zerstörerischen Lebensstil. Gletscher schmelzen als Folge der Erderhitzung. Massentourismus hinterlässt seine zerstörerischen Spuren in der Pflanzen- und Tierwelt. Das alles muss uns endlich wachrütteln. Gottes wunderbare Schöpfung ist durch uns bedroht. Das ist nicht nur ein Angriff auf die Schöpfung, sondern auch auf Gott selber, der sie uns doch anvertraut, um sie zu schützen und zu bewahren.

Manchmal könnten wir über uns selber nur noch verzweifeln oder resignieren. Was kann uns Mut machen angesichts dieser verfahrenen Situation? Trost und Hoffnung, dass es doch trotz allem noch nicht zu spät ist, können wir aus den bekannten Psalmworten schöpfen: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“  (Psalm 121, 1-2)

Wir schaffen das mit der Bewahrung der Schöpfung nicht allein. Aber Gott wird auch in dieser Sache unsere Hilfe sein und seine gute Welt mit allen ihren Kreaturen nicht aufgeben. Mit dieser Gewissheit können wir dankbar auf die Schönheit der Berge blicken.

 

Gedanken zum 22. Januar 2021
von Pfarrerin Christine Glaser

45 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr in Deutschland in der Legehennenzucht getötet.

Ein Pharao befiehlt: Alle Söhne, die geboren werden, werft in den Nil, aber alle Töchter lasst leben.

König Herodes schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte.

Bruder Hahn würde Franz von Assisi gesagt haben.
"Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen."

Bruderhahn ginge auch so: https://www.biometzgerei-pichler.de/onlineshop/Biometzgerei-c52515295?offset=18

 

Gedanken zum 15. Januar 2021
von Pfarrer Ralf Honig

Die CO2-Uhr läuft
(Foto: Christina Honig)

Eine Lichtprojektion des „Campus for Future Ludwigsburg“ am dortigen Marktplatz. Ein Wachmacher. Die Uhr läuft. Sie zeigt, bis wann unser CO2-Budget zur Einhaltung der 1,5°-Grenze aufgebraucht sein wird, wenn wir unsere Emissionen nicht deutlich reduzieren. Dies wird nicht erst im Jahr 2050 der Fall sein, sondern viel früher. Eine solche Visualisierung als Countdown in der urbanen Öffentlichkeit macht die Dringlichkeit deutlich.

Durch Corona wurde die Klimakrise leider in den Hintergrund gedrängt - ganz ähnlich wie die anderen globalen Themen Rassismus oder Verteilungsgerechtigkeit auf dieser Welt. Sie sind aber nicht verschwunden, sondern hängen alle miteinander zusammen. Sie warten weiterhin auf unser engagiertes Gegensteuern. Unsere Zeit wird diesbezüglich knapp.

Resignieren ist aber keine Option. Gott hat uns Verantwortung in seiner guten Schöpfung übertragen. Er braucht uns und hat Gutes mit seiner Erde vor. Seine Geduld mit uns ist noch nicht ausgeschöpft. Es ist noch nicht zu spät. Er schenkt uns noch Zeit. Der Apostel Paulus ermahnt uns deshalb: „Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum werdet nicht unver-ständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.“ (Epheser 5, 14b-17)

Gott will nicht unseren Untergang. Er will, dass die Generationen nach uns auf der Erde in Einklang miteinander und mit allen anderen Kreaturen leben können. Deshalb will er uns aktiv dabei haben bei der Bewahrung der Schöpfung. Der Einsatz dafür ist nicht vergebens. Es liegt sein Segen darauf.

 

Gedanken zum 8. Januar
von Pfarrerin Christine Glaser

Es können 31 sein.
Es kann bis zu 30 Mal geschehen.

Der Apfel hat schon lange seine Unschuld verloren.
An apple a day keeps the doctor away.
Das gilt nicht mehr.

Mit der Sonnenseite nach oben,
mit Plastikfolie umüllt.
Eine gefährliche Versuchung im Supermarktregal.

Es können 31 sein.
Es kann bis zu 30 Mal geschehen.
Auch mit gesundem Essen können wir uns zu Tode essen.
Schleichend, nichts ahnend.
Wer darüber spricht und berichtet, gerät in juristische Abgründe.

Es können 31 Pestizide sein.
Ein Apfel kann bis zu 30 Mal gespritzt werden.
Beides eindeutig zu viel und zu oft.

Nein danke.
Nein danke - für mich und mein Wohlergehen.
Nein danke - für die Umwelt drumherum.

Zum Glück gibt es Äpfel in Bio-Qualität.
Köstlich, mit individueller Schale, in allen Größen.

 

Gedanken zum 11. Dezember
von Pfarrerin Christine Glaser

Das mit den Werwölfen haben wir ja ganz gut in den Griff bekommen. Keine wirkliche Bedrohung, wirklich nur noch ein Spiel. Außerdem sind die Verwandlungsmöglichkeiten deutlich begrenzt: nur einmal im Monat ist Vollmond.

Tineidanthropie taucht als neues Problem auf.
Ich bin selber davon betroffen.

Seit Ende November verwandle ich mich täglich bzw. nächtlich neu in eine Motte. Ich bin eine Wermotte!

Plötzlich so viel neues Licht. Hell, grell, bunt, blinkend. Das macht mich konfus, unruhig, nervös. Ich kann diesem Licht nicht entgehen. Ich kann nachts nicht gut schlafen. Ich leide.

Angefangen hat es schon Mitte November - klar, der ideale Zeitpunkt für Weihnachtsdekorationen. Seitdem wird nachgerüstet: in Fenstern, auf Balkonen, in Vorgärten. (Von Schönheit möchte ich gar nicht sprechen. Der Vorgarten meiner Nachbarn sieht so aus, als würde am Nachmitag ein Weihnachtsartikel-Ausverkauf stattfinden.)

Es ist das viele Licht. Hell, grell, bunt, blinkend. Lichtverschmutzung. Stromverschwendung. Nur noch Menschenlicht. Das Sternenlicht dringt nicht mehr durch.
So wird das nichts mit dem Weihnachtsstern ...

 

Gedanken zum 4. Dezember
von Pfarrer Ralf Honig

Frieden auf Erden - eine sehr adventliche Sehnsucht. Und diesen Frieden verspricht Gott nicht nur uns Menschen, sondern seiner ganzen Schöpfung. Was für eine Hoffnung, in dieser hoffnungsarmen und dunklen Zeit! Was für eine Perspektive inmitten allen Unfriedens!

Auch Gottes Schöpfung sehnt sich nach Erlösung, wie schon der Apostel Paulus geschrieben hat. Deshalb ist Gott in Jesus Christus auch nicht nur für uns Menschen in die Welt gekommen. Die ganze Schöpfung will er in seinen Frieden einbeziehen.

Hier an den Cliffs of Moher im äußersten Westen Irlands tut sich ein weiter Horizont auf, hinter dem sich in großer Ferne die neue Welt, Amerika, befindet. Auch Gott schenkt seiner geplagten Erde so einen ganz weiten Horizont, hinter dem eine neue Welt liegt, von der wir nicht einmal zu träumen wagen.

Auf seinen endgültigen Advent, seine endgültige Ankunft, warten wir in dieser Adventszeit. Ihm dürfen wir im Advent entgegenträumen und auch schon entgegengehen, weil Gott selber auf uns zukommt. Er ist längst auf dem Weg.

So kann auch der folgende traditionelle Segen aus Irland in besonderer Weise ein adventlicher Segen sein:

Tiefen Frieden der rauschenden Wellen wünsche ich dir.
Tiefen Frieden der wehenden Luft wünsche ich dir.
Tiefen Frieden der lächelnden Sterne wünsche ich dir.
Tiefen Frieden der stillen Erde wünsche ich dir.
Tiefen Frieden der wachenden Hirten wünsche ich dir.
Tiefen Frieden durch den Sohn des Friedens wünsche ich dir.


Gedanken zum 6. November 2020
von Pfarrer Ralf Honig

Eine Waldfriedhof-Impression. Ein Sinnbild des Lebens in einer Welt des Todes. Leuchtende Blätter in der Herbstsonne. Noch einmal helles Licht, das sich im Wasser spiegelt – gleich ein doppeltes Lebenselixier. Ein letztes Aufleuchten vor der dunklen Jahreszeit. Etliche Blätter sind schon herabgefallen und es werden ständig mehr. Vorboten des Todes. Der Lebenssaft wird abgeschnürt. Der Baum zieht sich in sich selbst zurück. Aber im Frühling wird er neues Leben spenden. Frische Blätter werden wachsen. Vorboten der Auferstehung.

Bäume sind wieder bedroht durch uns Menschen. Waldsterben ist wieder ein Thema. Dabei brauchen wir sie doch so sehr. Sie sind ein schützenswerter Lebensspender und Vorbild für uns Menschen. Ein Baum lässt jeden in seine Nähe, der Schutz sucht. Er läuft nicht weg. Seine Wurzeln halten ihn in Sturm und Kälte. Er gibt Leben weiter. Sein Stamm trägt, schützt, verbindet und leitet die Lebenssäfte nach oben weiter. Seine Blätter erzeugen die Atemluft für alle anderen Lebewesen. Und seine Früchte gibt er umsonst. Was für ein Geschenk unseres Gottes!

In Psalm 1 wird ein Mensch, der nach Gott und seinem Willen für diese Welt fragt, mit einem Baum verglichen. „Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.“ (Psalm 1, 3) Wir haben wirklich allen Grund, uns die Bäume zum Vorbild zu nehmen und von ihnen zu lernen!

 

Gedanken zum 9. Oktober 2020
von Pfarrer Ralf Honig



Jetzt in diesen Herbsttagen kommt sie wieder zur Ruhe, die Isar, unser Gebirgsfluss mitten in der Großstadt. Vor Jahren renaturiert erfreut sie das Herz vieler Menschen, leider auch mit unschönen Begleiterscheinungen. Dass sie im Sommer durch das Partyvolk meist vermüllt und verqualmt ist, hat sie wirklich nicht verdient.

Dass es in der kühleren Jahreszeit auch am Fluss wieder ruhiger wird, tut Fauna und Flora dort gut. Und herbstliche Sonnenstrahlen zeigen in besonders wunderbarer Weise das Isarflimmern mitten im Paradies, wie eines der bekanntesten Lieder von Willy Michl heißt. Möge es vielen Menschen in Gottes Namen ein Anliegen sein, unseren Fluss zu schützen, stellvertretend für alle Gewässer dieser Erde, die unsere Lebensadern sind.

Mich lehrt die Isar, wie wir Menschen leben sollen. Wir müssten wie das Flusswasser sein. Es entspringt einer Quelle im Gebirge und bringt Leben, wohin es auch fließt. Es ist freigebig und teilt sich an alle aus, die seiner bedürfen. Es nimmt Nebenflüsse auf und wird dadurch reich. Steine und Hindernisse umfließt das Wasser anstatt gegen sie zu kämpfen. Es kehrt nicht an dieselbe Stelle zurück, sondern fließt weiter, lebt also nicht in der Vergangenheit. Es ist unendlich kostbar. Mit sanfter Kraft erneuert es sich ständig, auch bei Verunreinigung. Es nimmt Wendungen in Kauf, ohne sein Ziel, das Meer, aus den Augen zu verlieren. Ja, wir müssten wie das Wasser sein. Danke, Gott, für die Isar und ihr paradiesisches Flimmern - auch im Herbst!

 

Gedanken zum 18. September 2020

Am Anfang steht die Freude, kindliche Freude und großes Staunen über die unfassbare Schönheit der Erde. Mit dieser Freude ist der Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung keine lästige oder gar unlösbare Pflichtaufgabe. Sie ist vielmehr Antwort auf Gottes Handeln und Dank für das Gute, das Gott uns in so überreichem Maß schenkt und anvertraut.

Ein Text aus Westafrika bringt diese Freude an der Schöpfung ganz wunderbar zum Ausdruck:

Ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Die Nacht ist verflattert, und ich freue mich am Licht.

Deine Sonne hat den Tau weggebrannt
vom Gras und von unseren Herzen.
Was da aus uns kommt, was da um uns ist
an diesem Morgen, das ist Dank.

Herr, ich bin fröhlich heute am Morgen.
Die Vögel und Engel singen, und ich jubiliere auch.
Das All und unsere Herzen sind offen für deine Gnade.
Ich fühle meinen Körper und danke.
Das Meer rollt gegen den Strand, ich danke.
Die Gischt klatscht gegen unser Haus, ich danke.

Herr, ich freue mich an der Schöpfung
und dass du dahinter bist und daneben
und davor und darüber und in uns.

Ich freue mich, Herr,
ich freue mich und freue mich.

 

Gedanken zum 11. September 2020
Geschenke.
Die Natur hält sie wieder für uns bereit.
Manchmal zum Greifen, Pflücken, Aufheben nahe.

Geschenke.
Klein, bunt, frisch, garantiert plastikfrei.
Ernte ist nicht selbstverständlich.
Jahr für Jahr ein Wunder.

Heinrich Puchta, der bayrische Pfarrer, hat 1843 so gedichtet:

Herr, die Erde ist gesegnet von dem Wohltun deiner Hand.
Güt und Milde hat geregnet, dein Geschenk bedeckt das Land:
Auf den Hügeln, in den Gründen ist dein Segen ausgestreut;
unser Warten ist gekrönet, unser Herz hast du erfreut.

Aller Augen sind erhoben, Herr, auf dich zu jeder Stund,
dass du Speise gibst von oben und versorgest jeden Mund.
Und du öffnest deine Hände, dein Vermögen wird nicht matt,
deine Hilfe, Gab und Spende machet alle froh und satt.

 

Gedanken zum 4. September 2020
Auf dem Land aufgewachsen,
Kind einer Bauernfamilie.
Nach einer Flutkatastrophe ist der ganze Besitz,
die Lebensgrundlage der Familie verloren.
Mit 16 Jahren Vollwaise,
für sich und die Geschwister verantwortlich.
Das Land, die Felder sind noch da.

Nicht aufgeben, nachdenken und handeln.
Die Natur beobachten.
Zusammenhänge erkennen.
Eine kluge Bewirtschaftung der Felder.
Wachstum und Ernte. Wohlstand.
Weitermachen. Wissen sammeln.

Andere sehen es und staunen.
Verantwortliche rufen ihn.
Eine Reform der Landwirtschaft.
Auch für andere wieder Wohlstand.

Im Hintergrund und als Basis die Religion.
Denn: Gelingende Landwirtschaft, Ernte und Wohlstand sind Wohltaten. Vom Himmel, der Erde und anderen Menschen gegeben.

Eine Reform der Landwirtschaft ohne Kunstdünger.
Die innere Haltung entscheidet.
Ehrlichkeit, Fleiß und Sparsamkeit sind gefragt.
Das Miteinander.
Darum die Bildung von Kreditvereinen auf Gegenseitigkeit. Technische Neuerungen in der Landwirtschaft werden möglich.

Moderne Gedanken.
Wir verdanken sie Ninomiya Sontoku,
der am 4. September 1787 in Japan geboren wurde.

 

Gedanken zum 21. August
"Ich sah hinunter und wollte meinen Augen nicht glauben, so wunderbar war der Ausblick. Die Erde hatte jetzt nur noch die Größe eines Basketballs und war vollständig erleuchtet, so dass wir die Kontinente auf der Erde sehen konnten und die wunderschönen Farben der Erde, die Färbung der Wüste, der Berge, die blauen und grünen Flächen und die großen Ozeane auf der Erde sowie die weißen Flecken einiger Wolken.

Sie sah aus wie eine wunderschöne zerbrechliche Kugel des Christbaumschmucks, die in der Dunkelheit des Weltalls hing. Sie schien an einer Kordel zu hängen, aber es war nicht so. Unser Zuhause hier im Weltall. Wir konnten sie dann von der Größe eines Basketballes auf die Größe eines Golfballes und schließlich auf die Größe nur noch einer Murmel zusammenschrumpfen sehen, aber welch wunderschöne blaue Murmel war das! Das war mein Zuhause, das war das Zuhause von Millionen von Menschen.

Sieht Gott unsere Erde so? Jetzt konnte ich seine Liebe für diese Erde verstehen. Ich konnte verstehen, dass er diese Erde so liebte, dass er seinen einzigen Sohn Jesus auf sie sandte, um neues Leben und überströmendes Leben für die Menschen zu bringen. Jetzt hatte ich plötzlich eine ganz neue Einstellung zu dieser Erde und zu allem, was auf dieser Erde lebt, hervorgerufen durch diese räumlich entfernte Perspektive. Gott hat mir erlaubt, in den Himmel zu fliegen, damit ich das Leben aus einer anderen Sicht sehen lernte. Ich weiß jetzt, dass Gott lebt und dass er überall ist. Dass Gott auf der Erde ist, hat größere Bedeutung, als dass der Mensch auf dem Mond war. Jesus stieg herab, damit wir neues Leben haben."

Jim Irwin, Apollo 15

 

Gedanken zum 14. August 2020
Sie würde alles für ihr Enkelkind tun.
Sie?
Ich weiß ihren Namen nicht.
Ich habe sie nur schon mehrmals mit Tochter und Enkelkind in meiner Wohnanlage wahrgenommen.

Junge Oma, mit ein paar Metern Abstand geht sie als Schwester bzw. Tante durch. Eine moderne Frau.

Sie würde alles für ihr Enkelkind tun.
Das ist zu sehen und zu spüren.
Sie war mir schon ein bisschen sympathisch geworden.

Vor ein paar Tagen ist sie mit ihrem Kleinwagen vorgefahren. Auspacken, Auto abschließen, ein letzter Blick vom Schreibtisch aus.
Da sehe ich auf dem Autodach die zwei Einweg-Becher mit Kaffee. Sicher nett gemeint. Die Tochter verwöhnen. Aber ...

Sie würde alles für ihr Enkelkind tun.
Vermeidung von Abfall gehört dazu.
Finde ich.

Und ich?
Wie lerne ich es, höflich, lächelnd, unaufgeregt meine Mitmenschen auf ihren Verpackungsmüll anzusprechen?

Da haben mindestens zwei etwas zu lernen.

 

Gedanken zum 7. August 2020
Bäume und Wälder leiden unter zu viel Trockenheit.
Wieder einmal.
Wir bemerken es gar nicht oder höchstens an den Blättern, die schon im Sommer gelb und welk sind.

Bäume und Wälder leiden unter zu viel Trockenheit.
Das wird auf die Länge der Zeit zu Veränderung im Baumbestand führen.

Wie alt unsere Bäume wohl werden?
Im Kampf gegen Trockenheit, Abgase, Erderwärmung?

Am 7. August 1964 wurde im US-Bundesstaat Nevada eine Langlebige Kiefer gefällt. Sie hatte sogar einen Namen: Prometheus. Bei einer späteren Untersuchung fand man heraus, dass sie zu den ältesten Bäumen der Welt gehört hatte. Ihr Alter wurde auf 4862 Jahre geschätzt.

 

Gedanken zum 31. Juli 2020
Es gibt viele Menschen, die die Umwelt nicht vergessen. Nicht nur freitags.

Es sind Menschen auf der ganzen Welt, die sich für den Naturschutz engagieren und sich damit zwangsläufig gegen Unternehmen, Regierungen, Korruption, Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und kriminelle Banden stellen.

Es sind Menschen, die für Natur und Umwelt ihr Leben riskieren. Im Jahr 2019 starben nach NGO-Angaben weltweit mehr als 200 Umweltschützer. Es war auch ein EU-Land dabei.

Wir wollen diese Menschen nicht vergessen.
Und selber mutig sein in Widerspruch und Achtsamkeit.

 

Eine Schöpfungsandacht zum 10. Juli 2020
von Vikarin Sophia Fürst

Zu Corona-Zeiten haben wir als Familie unsere Fahrräder neu entdeckt. Als die Spielplätze gesperrt und der Besuch bei Freunden verboten war, war ein Fahrradausflug für uns das Highlight des Tages. Wenn wir erst durch die Straßen und später an der Isar entlang oder durch die Wälder geradelt sind, habe ich manchmal zum Spaß Max Rabes „Fahrrad fahr’n“ angestimmt:
Manchmal ist das Leben ganz schön leicht
Zwei Räder, ein Lenker und das reicht
Wenn ich mit meinem Fahrrad fahr'
Dann ist die Welt ganz einfach…

Inzwischen nutze ich mein Fahrrad wieder seltener. Mein innerer Schweinehund ist zu groß. Dabei habe ich gemessen, dass ich meinen Sohn mit dem Rad in zehn Minuten in die Kita fahre, während mit dem Auto eine Viertelstunde fast nicht reicht, weil ich in der Morgen-Rushhour feststecke. Auch Max Raabe kennt das Problem, allerdings scheint er auf der Gewinnerseite zu radeln:
Die Autos steh'n im Stau ich fahr vorbei
Alle Ampeln grün, die Bahn ist frei
Wenn ich mit meinem Fahrrad fahr
Mitten durch die Stadt…

Ganz abgesehen von der verlorenen Zeit, ist es dumm mit dem Auto auf dem Mittleren Ring im Stau zu stehen, statt durch die Isarauen zu radeln, frische Luft zu schnappen und sich von dem satten Grün und dem dahinrauschenden Fluss die Lebensgeister wecken zu lassen.

Warum fahre ich dann nicht Fahrrad? Weil ich nach der Kita in die Arbeit muss. Und da würde mich mein Weg über Plinganser- und Albert-Roßhaupter Straße führen. Auf diesen Straßen Fahrrad zu fahren ist mir aber zu hässlich und irgendwie auch zu gefährlich.

Solche Abschnitte gibt es in München leider noch zu viele. Es ist an der Zeit, dass eine neue Verkehrswende eingeleitet wird, in der eine sichere und gute Radinfrastruktur eine entscheidende Rolle spielt. Dafür bräuchte es allerdings Platz, der den Autos genommen werden muss. Doch wie viel schöner wäre München, wenn eine Spur der großen Autostraßen in einen begrünten Fußgänger- und Fahrradweg umgewandelt würde.

Ich gebe zu, der Hügel, den man hinaufmuss, spielt auch eine Rolle. Aber wenn das Radfahren attraktiver wäre, dann würde ich mir ein besseres Fahrrad zulegen, das die Anstrengung reduziert. Denn ich weiß: Kein Verkehrsmittel bewegt uns Stadtbewohner*innen so effizient, leise und umweltfreundlich wie das Fahrrad.

Ich hätte ein gutes Gewissen und es würde ich mir auch körperlich guttun. Ich könnte mich auf meinem Heimweg genauso erholen wie Max Rabe:
Fahrrad fahr'n
Wenn ich mit meinen Fahrrad fahr'
Ich tret' in die Pedale
Und brauch keine Motoren
Fahrrad fahr'n
Nichts ist so schön, wie Fahrrad fahr'n
Für mich das ideale
Der Wind weht um die Ohren.

Radfahrersegen
Möge der Wind dir den Rücken stärken;
Möge – nach dem Schauer –
die Sonne die Tropfen auf deinem Gesicht trocknen;
Mögen deine Lungen voll Luft
und deine Beine voll Kraft bleiben;
möge dein Sattel dich tragen wie eine Sänfte
und deine Arme stark bleiben am Lenker;
möge Gott dich schützen vor Unfall und Gefahr,
die auf deinem Weg lauern.
So bewahre dich der Ewige,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Jan Christensen

 

Gedanken zum 26. Juni 2020
Ein Gedenktag lässt uns in den Norden blicken. Am 26. Juni 2009 wurden Teiles des Wattenmeeres in den Niederlanden und den Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein gemeinsam zum Weltnaturerbe ernannt. Eine wichtige europäische Zusammenarbeit.

Das Wattenmeer ist faszinierd und gefährdet. Es wird zweimal am Tag während des Hochwassers überflutet, beim anschließenden Niedrigwasser fließt das Wasser durch Priele wieder ab. Das vor etwa 7500 Jahren entstandene Wattenmeer dient vielen Vögeln und Fischen als Rastplatz und Nahrungsquelle.

Was nah ist und was ferne,
von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne,
der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter
und Korn und Obst von ihm,
das schöne Frühlingswetter
und Schnee und Ungestüm.
Matthias Claudius

 

Eine Schöpfungsandacht zum 19. Juni 2020
von Vikarin Sophia Fürst

Staunen. Der Blick in die Natur lässt mich staunen. Wie wunderbar ist alles geordnet! Die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut, eine leichte Brise, die über die Felder streicht, wunderschöne Blumen am Wegrand, eine Biene, die summend von Blüte zu Blüte fliegt.

Die Biene bringt mich zum Staunen. Sie ist mit ihren nur 0,1 Gramm ein so winzig kleines Tier. Und doch hat sie so große Fähigkeiten und solch ein komplexes soziales Leben: Als sie geschlüpft ist, hat sie als erstes mal ihre Brutzelle geputzt. Mit ein paar Tagen war ihre nächste Aufgabe, dass sie die Larven füttert und sich um die Königin kümmert. Wieder ein paar Tage später baut sie Waben, indem sie Wachs ausschwitzt und, ihre eigene Körpergröße als Schablone verwendend, die Brut- und Vorratszellen bildet. Als nächstes arbeitet sie als Heizerin oder Kühlerin, denn in einem Bienenstock herrschen Sommer wie Winter zwischen 25 und 35 Grad. Und dann arbeitet sie irgendwann als Wächterin. Zuletzt – so sehen wir sie dann - summt sie von Blüte zu Blüte, sammelt Pollen, Nektar und Wasser für ihren Schwarm. Sie hat dabei einen Flugradius von ungefähr zwei Kilometern und bestäubt nebenbei 80 Prozent aller Obst- und Gemüsepflanzen, die wir anbauen.

Deshalb: Danke, Biene! Danke, Gott, dass du die Schöpfung so wunderbar eingerichtet hast. Dass du die Evolution auf solche faszinierenden Wege geschickt hast. Dass alles so wunderbar miteinander verbunden ist. Wie sagt es Psalm 104 in der Bibel? Du hast alles weise geordnet, Gott, und die Erde ist voll deiner Güter.

Der Blick in die Natur beginnt also mit dem Staunen.

Und dann müsste eigentlich die Demut kommen. Die Ehrfurcht vor dem Leben, wie Albert Schweitzer es nannte. „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das auch leben will.“

Als Geschöpfe sind wir miteinander verbunden und aufeinander angewiesen. „Wenn die Bienen sterben, haben auch die Menschen nur noch 4 Jahre zu leben.“ – so soll es ein anderer berühmter Albert einmal formuliert haben – Albert Einstein. Und tatsächlich: in China kann man sehen, wohin die Ausrottung der Bienen (und übrigens auch vieler Vögel) geführt hat: Auf den riesigen Obstplantagen summt keine Biene mehr und kein Vogel singt mehr. Menschen werden ersatzweise eingesetzt, Arbeiterinnen massenhaft, die per Hand Obstbäume bestäuben, damit überhaupt noch etwas geerntet werden kann. Ein Alptraum.

Und auch bei uns hier in Europa sterben sie „wie die Fliegen“ - die Bienen - und viele andere Insekten auch. Jede zweite der heimischen 560 Wildbienenarten ist mittlerweile vom Aussterben bedroht. Was geschieht da? Was machen wir bloß mit unseren Mitgeschöpfen? Trügt mich mein Eindruck, bin ich übersensibel, was das Thema betrifft? Aber ich hatte in diesem Jahr den Eindruck, dass bei der Fahrt übers Land mit dem Auto kaum noch Insekten an der Windschutzscheibe kleben…

Wie gut, dass die Einsicht wächst: wir können nicht auf Kosten unserer Mitgeschöpfe leben! Gut, dass es diese neuen Trends gibt: Hobbyimkern mitten in München, Urban Gardening und das Aussähen von insektenfreundlichen Samenmischungen. Damit die Bienen was zu futtern haben und was zu bestäuben.

Danke, Biene! Wir lernen von ihr: dass wir alle Teile eines Großenganzen sind. Miteinander verbunden und aufeinander angewiesen. Und dass Gottes Weisheit uns im Kleinsten begegnet, wenn wir nur hinschauen.

Der Blick auf Gottes Schöpfung beginnt mit dem Staunen. Und führt weiter zur Demut und zur Ehrfurcht vor dem Leben. Respekt vor allem, was lebt. Um unseretwillen. Um Gottes willen. Danke, Biene! Danke, Gott!

Ich hatte für diesen Text eine Vorlage:
https://www.emk-kreuzberg.de/wp-content/uploads/2017/10/Predigt-Danke-Bi....

 

Eine Schöpfungsandacht zum 5. Juni 2020
Am 5. Juni ist der jährliche "Tag der Umwelt". Er wurde in Erinnerung an die Eröffnung der Konferenz der Vereinten Nationen zum Schutz der Umwelt am 5. Juni 1972 in Stockholm haben von den eingeführt. Schon vier Jahre später hat sich auch die Bundesrepublik Deutschland dem internationalen Erinnern angeschlossen.

Rund 150 Staaten machen weltweit mit und versuchen mit vielfältigen Veranstaltungen, Aktionen und Maßnahmen das Bewusstsein dafür zu stärken, dass es vor allem der Mensch selbst ist, der die Vielfalt und Stabilität der Umwelt bedroht.

In diesem Jahr lautet das Motto "natur:verbunden".

Siehe auch: http://gethsemanekirche-muenchen.de/der-aktuelle-umwelttipp

Gebet der Vereinten Nationen
Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnlose Trennung
nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.
Gib uns Mut und Voraussicht,
schon heute mit diesem Werk zu beginnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder
einst stolz den Namen Mensch tragen. Amen.
Stephen Vincent Benét, 1942

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 29. Mai 2020

Im Jahr 1972 veröffentlichte der Club of Rome seinen Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, in dem er Prognosen für die Lage des Globus vorlegte. Das Buch war ein Weltbestseller. Ein Aufschrei. Er wurde in 35 Sprachen übersetzt und schon damals über neun Millionen Mal verkauft.
Aurelio Peccei, der die Forschungsgruppe damals leitete, schrieb in dem Resümee: „Wir sind schließlich überzeugt, daß jeder vernünftige Versuch, einen dauerhaften Gleichgewichtszustand durch geplante Maßnahmen herbeizuführen, letztlich nur bei grundsätzlicher Änderung der Wert- und Zielvorstellungen des einzelnen, der Völker und auf Weltebene von Erfolg gekrönt sein wird“. Und er sagte, es bräuchte „eine geistige Umwälzung kopernikanischen Ausmaßes“ für die Umsetzung der Erkenntnisse in praktische Handlungen.
 
Gott,
wir müssen tätig werden. Hilf uns aus unserer Bequemlichkeit. Alles, was wir dafür brauchen, hast du uns gegeben. Dein Ja-Wort zu dieser, unserer Erde. Dein Ja-Wort an uns. Lass es uns zur Kraftquelle werden. Lass uns aufbegehren gegen den selbstsüchtigen Raubbau an der Natur. Lass uns aufbegehren gegen Luxus auf Kosten anderer. Und dann, hilf uns, es besser zu tun. Unter deinem Glanz wollen wir strahlen. Darum bitten wir.

Und Gott, öffne unsere Augen für all das, was uns geschenkt ist. Lass uns satt werden und glücklich und zufrieden, ohne anderen damit zu schaden. Das muss doch möglich sein. Darum bitten wir.

Und noch etwas: Wende uns immer wieder hin zu den Anderen, zu den Tieren und Pflanzen, zu den Wunden und den Schmerzen, zu der Wahrheit, zu dir. Wir brauchen eine Umwälzung kopernikanischen Ausmaßes. Immer wenn wir uns abwenden, wende du uns wieder zu. Darum bitten wir. Amen.

 

Eine Schöpfungsandacht zum 22. Mai 2020
Ein Tag zum Hören und Stillsein.
Ein Tag mitten in Gottes Schöpfung.
Eingebunden, gehalten, bewahrt und gesegnet.

"Durch die Ökonomisierung unseres Lebens droht auch unsere Beziehung zum Leben selbst funktional zu werden. Yoga zur Erhaltung des Körpers und Meditation zur Steigerung der mentalen Leistungsfähigkeit sind eine Übertragung der egozentrisch-zweckdienlichen Einstellung in die Sphäre des Spiritualität.

Anstelle von Vertrauen, Hingabe und Demut geht es um kalkulierte Optimierung. Statt aus Verbundenheit und im Bewusstsein für ein geistliches Feld handeln wir aus der Illusion von Trennung im Sinne des Ego. Der oberflächliche Blick erkennt nicht, ob wir aus Hingabe oder für den eigenen Vorteil praktizieren, ob wir von Mangelbewusstsein oder Verbundenheit ausgehen.

Aber wir können uns fragen: 'Meditiere ich, um Stress zu reduzieren oder um die Welt zu hören?' Das Innenleben ist in beiden Fällen grundverschieden. Energetische Arbeit mag auch bei alltäglichen Belangen helfen, nur tiefere persönliche Entwicklung oder Weisheit sollten wir uns davon nicht versprechen."
Gerriet Schwen

 

Eine Schöpfungsandacht zum 15. Mai 2020
Eisheilige - Regen - wachsendes Grün.
Schön - wohltuend - zerbrechlich.

Und wir mitten drin in Schöpfung, Natur und Umwelt.
Dankbar - nachdenklich - schuldbewusst.

Gebet für die Schöpfung
Liebender Gott, du bist im Weltall wie im kleinsten deiner Geschöpfe gegenwärtig; du umgibst mit deiner Zuneigung alles, was existiert.

Schöpfer Gott, mach uns fähig, dich in der Schönheit des Universums zu sehen, wo alles von dir spricht.

Liebender Gott, wir beten für alle, die unter Waldbränden oder Überschwemmungen, an den Folgen von Erdbeben und Stürmen leiden. Schenke ihnen Hoffnung in ihrer Not.

Schöpfer Gott, wir möchten dich loben und dir danken, schenk uns die Gnade, uns mit allem, was ist, verbunden zu fühlen.

Liebender Gott, wir vertrauen dir alle jungen Menschen an, die neue Projekte in die Tat umsetzen oder sich für den Schutz unseres Planeten einsetzen.

Schöpfer Gott, du bist jeden Tag bei uns; steh uns bei in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Liebender Gott, in deiner Gegenwart lässt du uns die unendliche Schönheit deine Schöpfung erkennen, all dessen, was von dir kommt, aus deinem unerschöpflichen Erbarmen. Du machst uns aufmerksam für andere und für die ganze Schöpfung. Zeige uns den Wert jeder Sache und mach uns zu Trägern deines Friedens in der ganzen Menschheitsfamilie.

Aus Taize - Abendgebet für die Bewahrung der Schöpfung

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 8. Mai 2020

Der Abwrackprämie hat Umweltministerin Svenja Schulze eine Absage erteilt. Stattdessen soll eine Innovationsprämie kommen, die auch die Bahn, den öffentlichen Nahverkehr, den Rad- und Fußverkehr fördert. Aber gleichzeitig soll die Automobilbranche natürlich Schlüsselindustrie in Deutschland bleiben. Selbst die Umweltministerin muss der Branche dieses Zugeständnis machen. Es geht wohl nicht anders wegen der vielen Arbeitsplätze. Ihre Lösung ist, dass einfach vermehrt Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden sollen, die „umweltfreundlich“ sind, die einen geringen CO2-Austoß haben oder am besten gar keinen.

Doch ist uns wirklich geholfen mit der E-Mobilität? Zwar stoßen die Autos dann kein Kohlendioxid und keine Stickoxide mehr aus. Die Kraftwerke dafür desto mehr. Denn sie produzieren den Strom, mit denen die Batterien geladen werden. Und dieser Strom wird in Deutschland noch mindestens bis 2038 zu 50 Prozent durch Kohle erzeugt. Auch für die Herstellung der Batterien ist eine immense Menge an Strom erforderlich. Und zusätzlich werden Mangan, Kupfer, Kobalt, Nickel und Lithium verwendet. Kobalt kommt überwiegend aus dem Kongo. Dort wird es auch von Kindern abgebaut, die oft nicht einmal Schutzkleidung tragen.

Ein anderes Thema ist der Reifen- und Bremsabrieb, der auch bei Elektroautos ganz genau derselbe bleibt. Anderthalb Kilo verliert ein Reifen in drei, vier Jahren und verwandelt den Verlust in Feinstaub, der die Luft verschmutzt. Viele Experten halten ihn für schlimmer als den CO2-Ausstoß.

Über all das spricht unsere Bundesregierung nicht, wenn sie betont, dass die Automobilindustrie auch in Bezug auf den Klimawandel krisensicher aufgestellt werden soll. Denn das E-Auto soll den Autofahrern ja ein „Weiter so“ mit gutem Gewissen ermöglichen.

Doch die Straßen bleiben überfüllt, selbst wenn die Autos umweltfreundlicher würden. Eine Analyse des Verkehrsdatenanbieters Tomtom hat ergeben, dass Autofahrer in München letztes Jahr 131 Stunden im Stau standen, also fünf Tage und elf Stunden. Dazu kommt noch die Parkplatzsuche.

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland VCD setzt sich zusammen mit einem breiten Bündnis für ein „Startgeld grüne Mobilität“ ein. Steuergelder sollen nur für nachhaltige und umweltschonende Formen von Mobilität verwendet werden: Wenn es eine Konjunkturhilfe pro Bundesbürger gibt, dann soll jeder selbst wählen können, wofür er sie ausgeben will. In Frage kommt ein ÖPNV-Jahresabo, ein Fahrrad oder Lastenrad, eine BahnCard oder einen Beitrag in einem Car-Sharing-Unternehmen. Oder doch auch ein Elektroauto. Es ist zumindest besser als ein Verbrenner.

Wichtig ist, dass die Innovationsprämie tatsächlich einen Beitrag zu einer umweltfreundlichen Ausrichtung unserer Mobilität leistet. Denn viel länger können wir nicht mehr damit warten, dem Klimawandel den Kampf anzusagen. Wir müssen handeln! So wie einst Noah: Seine Arche war fertig (1. Mose 7,4), sieben Tage, bevor der Große Regen kam.

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 1. Mai 2020

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

An Tag 2 baut Gott das Himmelsgewölbe über dem Wasser. Dafür braucht er einen ganzen Tag. - An Tag 3 scheidet er das Wasser vom festen Boden und schafft Meer und Festland. Er lässt auch gleich Grün wachsen: Bäume, Pflanzen und Früchte. - An Tag 4 hängt Gott Lichter in das Firmament, die Sterne. Dazu ein großes Licht für den Tag und ein kleineres, das die Nacht beleuchtet. - An Tag 5 schafft er Fische im Meer und Vögel unter dem Himmel. Und Gott sah, dass es gut war. - An Tag 6 schafft er alle Tiere.
Und dann sagt er plötzlich:

Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

Gott schafft den Menschen am selben Tag wie die Tiere. Es gibt keinen Extra-Tag für ihn. Den Unterschied, den wir zwischen den übrigen Lebewesen und uns aufmachen, gibt es hier so nicht. Der Mensch wird eingebettet in die Schöpfungsordnung, ist gleichberechtigt mit den Tieren, nur die Verantwortung für die Tiere hat er. Er soll auf sie aufpassen und er soll in Frieden mit ihnen leben. Mensch und Tierwelt gehören zusammen, weil sie beatmete und belebte Schöpfung sind.

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Ebenbild meint nicht, dass wir wie Gott aussehen. Denn Gott wird hier nicht als Person, sondern als Geist und als Ordnungsmacht gedacht. Ebenbild meint vielmehr Stellvertreter Gottes auf Erden. Der Menschen bekommt den Auftrag, die Natur in Ordnung zu halten. Die Schöpfungsgeschichte beschreibt eine Weltordnung, nach der der Mensch zur belebten Natur und zu den Tieren gehört und in der er eine Bewahrungsaufgabe hat.

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

Und am Ende gibt es einen siebten Tag, der heilig zu halten ist. Am siebten Tag schließt Gott sein Schöpfungswerk ab. Und dann ruht er. Gott macht mal Pause. Er zeigt uns so: Es muss einen Tag in der Woche geben, an dem der Mensch nicht nach dem gewertet wird, was er produziert und geleistet hat. Denn er ist viel mehr als die Summe seiner Leistungen. An diesem Ruhetag wird einfach gefeiert, dass der Mensch da ist.

In dieser Geschichte von der Schöpfung geht es darum, dass die Welt weise geordnet ist. Zum Beispiel ist nicht vorgesehen, dass der Mensch Tiere isst. Er lebt von Früchten und Getreide. Gottes Welt ist gewaltlos. Und es ist eine Welt, in der es einen klaren Rhythmus gibt. Die Erzählung will nicht erklären, wie alles entstanden ist, sondern sie ist die Utopie einer großen Weltordnung. Gott teilt und sortiert. Er weist allem seinen Platz an. Und dieser Platz ist ein utopischer Platz in einer gewaltfreien Welt.

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 24. April 2020

Die Kirchen setzen sich schon seit über vierzig Jahren für die Bewahrung der Schöpfung ein. Auf ihrer Website benennt die Evangelische Kirche in Deutschland den Kampf gegen den Klimawandel als einen ihrer Schwerpunkte. Viele Kirchenvertreter setzen sich für eine engagiertere Klimapolitik ein, zum Beispiel auch Dr. Heinrich Bedford‑Strohm, wenn er die Große Koalition auffordert, beim Klimapaket nachzubessern, oder selbst auf eine Demonstration der Fridays for Future geht. Und auch wir in Gethsemane sehen, genauso wie viele andere Kirchengemeinden, in der Bewahrung der Schöpfung einen unserer Schwerpunkte. Wir haben uns Schöpfungsleitlinien gegeben und orientieren uns in allen Entscheidungen an ihnen. Im Herbst 2017 haben wir dafür das kirchliche Öko-Audit „Grüner Gockel“ erhalten.

Das Dumme dabei ist: Wenn ich beispielsweise meine Freunde frage, merke ich, dass eigentlich niemand mitbekommt, wie konsequent unsere Kirchenvertreter für eine gerechte und mutige Umweltpolitik eintreten. Sie machen sich auch keine Vorstellung davon, wie tief der Gedanke von der Bewahrung der Schöpfung im Bewusstsein vieler Gemeinden verankert ist. Das Engagement ist so groß und die Wirkung auf die Öffentlichkeit ist unverhältnismäßig klein. Da muss doch mehr gehen!

Und zwar nicht nur, damit wir uns als Kirche gut präsentieren. Das wäre zwar ein netter Nebeneffekt. Wichtiger ist mir, dass wir als Institution, die anerkanntermaßen für viel Gutes steht, Bewegungen wie Fridays for Future stärken. Aber dafür müssen wir eben erst einmal wahrgenommen werden!

Ein Weg könnte sein, das Bündnis „Churches for Future“ zu stärken. Wäre es nicht toll, wenn wir, wenn die Umweltdemos wieder aufgenommen werden, die Kirche dort als zahlenmäßig wahrnehmbare Gruppe repräsentieren würden? Ich wünschte mir, dass viele Christen aus ihrem Glauben heraus zusammen mit den anderen Demonstranten auf eine gerechtere Umweltpolitik pochten. Ein Bibelzitat aus der Bergpredigt spornt mich dazu an: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (Matthäus 5, Vers 16)

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 17. April 2020

Der Heilige Franziskus preist Gott in seiner ganzen Schöpfung

Der Sonnengesang
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.
Aus: Franziskus-Quellen, Butzon und Bercker 2009

An Ostern wurde Wim Wenders Film ‚Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes‘ ausgestrahlt. Darin sagt Papst Franziskus zur gegenwärtigen Zerstörung unserer Umwelt:  „Das Naturgesetz, wenn man so will, besagt, dass die Welt in Harmonie leben sollte, dass alle Lebewesen in Einklang leben sollten. Die gesamte Schöpfung. Alles, was der Harmonie der Schöpfung entgegenläuft, ist schlecht.“ Der Heilige Franziskus war ein Visionär zu seiner Zeit und bemerkte schon ganz früh, dass unser Verhältnis zur Natur aus dem Gleichgewicht geraten wollte und dass wir dazu neigten – wir tun es immer – die Welt auf dem Kopf zu sehen, und uns für ihre Herrscher zu halten, anstatt für sie Sorge zu tragen. „Wir dürfen die Fähigkeit des Zuhörens nicht verlernen! Franziskus war ein Mann des Zuhörens: Er hörte auf die Stimme Gottes, er hörte auf die Stimme der Armen, der Kranken und auf die Stimme der Natur. Und all das hat er zu einer Lebensweise geformt. Ich hoffe, dass die Saat des Heiligen Franziskus in vielen Herzen aufgehen möge.“

 

Gedanken von Pfarrerin Christine Gaser
Karfreitag, 10. April 2020

Karfreitag, ein dunkler Tag.
Ein Freitag, der dunkel beginnt und endet.
Ein Freitag voller Verachtung, Machtmissbrauch, Ignoranz,
Verurteilung, Verspottung.
Ein Freitag, der in drei Stunden Finsternis gipfelt
„Von der sechsten bis zur neunten Stunde.“

Für die, die unter dem Kreuz standen: das Ende.
Aus und vorbei.
Nur noch Vergangenheit – kein Gedanke an Zukunft.

Wir halten an diesem besonderen Freitag inne.
Spüren im eigenen Leben Situationen nach, in denen es dunkel für uns war,
es keine Zukunft zu geben schien.

Der Freitag, der so dunkel begann, endet im Grab.
Es kaum etwas auf Erden, das das Ende so deutlich macht.
Endgültig.
Aus und vorbei.
Ein dunkler Karfreitag.

Ein besonderer Freitag.
Wir brauchen ihn und den Blick auf das Kreuz.
Für uns und unseren Glauben.
Wir werden daran erinnert: Gott ist dem Leiden, Gott ist im Leiden nicht fern.

Wir brauchen diesen besonderen Freitag.
Als Trost jetzt – in dunklen und schweren Zeit.
Als Perspektive für Kommendes.
Als Möglichkeit, um im Leben und Glauben in die Tiefe zu wachsen.
Als Vorbereitung auf die Zukunft unseres Lebens und die Entwicklungen in unserer Welt.

Ein besonderer Freitag.
Im Englischen wird er Good Friday genannt.
Der Blick weg vom Geschehen damals auf Golgatha.
Der Blick auf das, was der Tod des Unschuldigen wirkt.
Heil und Erlösung.
Zukunft im gelobten Land Gottes.
Ja, ein guter Freitag.
Ein Freitag für meine Zukunft.

Seit mehr als einem Jahr gibt es die Bewegung "Fridays for Future".
Demonstrationen für eine gute Zukunft.
Erinnerung an Gottes gute Schöpfung.
Und an unsere Verantwortung.
Erinnerung an die Zukunft.
Ein dunkler Freitag reicht – ein für alle mal.
Fridays for Future.

Karfreitag: Ein guter Freitag für uns.
Ein Freitag für die Zukunft – für uns selbst und für unsere Welt.
Der wahre, der einzige Friday for Future.
Wir brauchen ihn.

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 3. April 2020

Mein Papa hat mir Anfang des Jahres einen Abschnitt aus einem Buch vorgelesen. Da unterhalten sich der Autor und seine Seele. Die Seele fragt: Wie erklärst du dir die vielen Menschen, die zwar nicht bestreiten, dass der Planet in Gefahr ist, aber deswegen auch nicht sonderlich beunruhigt sind?

Und er antwortet: Ich würde sie wahrscheinlich als dumm oder böse bezeichnen, wenn ich nicht selbst einer von ihnen wäre.

Mir geht es leider genauso wie dem Autor. Und ich frage mich: Warum ist das so? Warum weiß ich eigentlich ganz genau, was richtig und falsch ist, und handle nicht danach? Warum schäme ich mich schon seit zwei Jahren, dass ich mit dem Auto zur Arbeit fahre, mache es aber trotzdem? Warum will ich schon seit vielen Jahren meinen Fleischkonsum reduzieren, aber im entscheidenden Moment, wenn ich Hunger habe, schalten sich mein Verstand und mein Gewissen einfach aus und ich bestelle mir die Fleischpflanzerlsemmel, die mich da so anlacht? Warum ist es denn so verdammt schwer für mich, nach meinen Überzeugungen zu handeln und nicht den bequemeren Weg einzuschlagen?

Diese Fragen erinnern mich an eine Stelle in der Bibel. Im Jesajabuch im 6. Kapitel erhält der Prophet folgenden Auftrag: „Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet's nicht; sehet und merket's nicht! Verfette das Herz dieses Volks und ihre Ohren verschließe und ihre Augen verklebe, dass sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen.“

Hören und nicht verstehen … sehen und nicht merken … sich nicht bekehren und genesen … So geht es mir mit der Klimakrise. Ich höre, dass die Wissenschaftler Alarm schlagen. Ich sehe Berichte von Klimakatastrophen im Fernsehen. Und doch bin ich nicht voll überzeugt. Denn da sind auch diese ganz anderen Eindrücke: Ich schaue mich um, sehe einen strahlend blauen Himmel und höre die Vögel zwitschern. Bei einem Ausflug aufs Land entdecke ich die ersten zufriedenen Kühe auf den satten grünen Wiesen. Da fällt es mir echt schwer zu glauben, dass die Natur unter uns Menschen leidet, dass der Klimawandel bittere Realität ist und wir jetzt womöglich die allerletzte Chance haben, die Welt in genau dieser Schönheit zu erhalten.

In den letzten Wochen, als wir uns auf die Corona-Krise einstellen mussten, konnte man ähnliches beobachten. Fast niemand hat sein Verhalten geändert, bis uns in aller Deutlichkeit klargemacht wurde, wie ernst die Lage ist. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Virologen schon lange den Mund fusselig geredet, haben wir Fernsehbilder von beatmeten, sterbenden Menschen in Italien gesehen. Doch unser Verhalten haben wir nicht angepasst. Dazu brauchte es eine deutliche Fernsehansprache der Kanzlerin an das Volk, in der sie verkündete: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Sie appellierte an unsere Solidarität und drohte: „Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch, was womöglich noch nötig ist." Ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass selbst dieser Appell noch nicht reichte. Also verkündeten die Bundesländer weitgehende Ausgangsbeschränkungen. Und plötzlich hielten wir Abstand. Durch klare Sprache und entschiedenes Handeln hat die Politik es geschafft, uns die Größe des Problems zu vermitteln.

In der Klimakrise stellt sich die Regierung bis heute nicht der realen Größe des Problems. Weder in ihrer Kommunikation noch in ihren Handlungen vermittelt sie: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“

Ich hoffe, dass die Kanzlerin und ihr Kabinett es sich trauen werden, bevor es zu spät ist. Bis dahin appelliere ich an mein Herz und an meinen Verstand: „Verfette nicht! Du hast es gehört und gesehen. Kehre um!“ Denn ich will nicht, dass wir wie bei Corona erst am eigenen Leib spüren müssen, wie schlimm die Folgen sind, wenn wir zu lange Abwarten. Lieber raffe ich mich schon jetzt zu solidarischem Handeln auf, zu einer freiwilligen Selbstbeschränkung in Umweltfragen.

Einen ersten Schritt habe ich gemacht, nachdem mir mein Vater weiter von dem oben erwähnten Buch erzählt hat. Es handelt sich dabei übrigens um „Wir sind das Klima! Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können“ von Jonathan Safran Foer. Ich habe nachträglich einen guten Vorsatz für das Jahr 2020 gefasst: Ich möchte mich weitgehend vegetarisch ernähren. Als Limit habe ich mir gesetzt, dass ich höchstens zweimal pro Woche Fleisch essen will.

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 27. März 2020

Psalm 8
HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!
Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen,
Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:
was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,
mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.
Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk,
alles hast du unter seine Füße getan:
Schafe und Rinder allzumal,
dazu auch die wilden Tiere,
die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer
und alles, was die Meere durchzieht.
HERR, unser Herrscher,
wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Aus der einen Krise für die andere lernen – ein paar Gedanken
Immer öfter lese ich, wie Corona und die Klimakrise in Zusammenhang gebracht werden: Seit Corona Tourismus und Industrie Einhalt gebietet, sei das Wasser von Venedig kristallklar und Satellitenbilder von chinesischen Städten zeigten eine erheblich geringere Luftverschmutzung. Ich möchte gleich zu Beginn klarstellen: Man darf Corona nicht als Klima-Retter feiern! Der globale Treibhausgas-Ausstoß wird zwar dieses Jahr erkennbar niedriger sein, aber nicht infolge einer freiwilligen Selbstbeschränkung der Menschen. Es ist vielmehr ein tödliches Virus, das die Menschheit lahmlegt. Die Wirtschaftsleistung ist eingebrochen, Menschen haben existentielle Angst, unser gesellschaftliches Leben wird massiv beeinträchtigt und – vor allem – Menschen sterben. Dieser Preis für ein besseres Klima ist zu hoch!

Die Krise ist schrecklich. Dennoch glaube ich, dass wir die Chance haben, aus ihr für die Klimakrise zu lernen. Wir für uns selbst – und die Gesellschaft als Ganze – sollten uns jetzt Gedanken machen, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen, damit wir nach der Corona-Krise nicht einem unkorrigierten Wachstums-Fetisch huldigen. Politik muss die Wirtschaft und unser gesellschaftliches Leben steuern und kann das, wenn eine Krise deutlich spürbar ist. Sie stellt dann klare Regeln und Verbote zum Schutz der Allgemeinheit auf, und wir akzeptieren auch Zumutungen, weil wir verstehen, dass sie notwendig sind. So haben wir die Politiker gestärkt, weil wir ihnen zutrauen, dass sie verantwortungsvoll die richtigen Maßnahmen durchsetzen.

Die Klimakrise ist nicht so deutlich spürbar wie Corona. Das ist der Grund, warum es uns bis jetzt immer noch nicht gelingt, ihr entschlossen zu begegnen. Und doch mahnen uns so viele Wissenschaftler, dass wir uns kurz vor Kipp-Punkten befinden, deren Überschreiten katastrophale, nicht rückgängig zu machende Folgen hat. Die verantwortlichen Politiker müssen, analog zur Viruskrise, den Klimanotstand als solchen bezeichnen und entsprechend handeln. Und zwar mit klaren Regeln und Verboten, haben wir doch gesehen, dass es freiwillige Selbstbeschränkungen nicht richten werden. Ich bin mir sicher, dass wir auch diese Zumutungen akzeptieren werden, wenn wir verstehen, dass sie notwendig sind.

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber formuliert es so: „Derzeit wird sehr zu Recht von den jüngeren Teilen der Bevölkerung Solidarität mit den Älteren eingefordert, die ja viel stärker durch das Virus gefährdet sind. Umgekehrt sollten die Älteren beim Klima Solidarität mit den Jüngeren üben, denn Letztere werden die Folgen der Erderhitzung in ihrem Leben viel stärker spüren. Die Solidarität muss also wechselseitig sein. Man könnte es plakativ so ausdrücken: Wer achtlos das Virus weitergibt, gefährdet das Leben meiner Großeltern. Wer achtlos CO2 freisetzt, gefährdet das Leben meiner Enkel.“

Zum Weiterlesen empfehle ich ein Interview mit ihm:
https://www.klimareporter.de/gesellschaft/wir-brauchen-einen-klima-corona-vertrag

Gebet
Gott, du Schöpfer der Welt,
hilf uns, unsere Umwelt zu erhalten. Gib uns Einsicht, dass wir sie nicht mutwillig zerstören, dass wir Rücksicht auf Tiere und Pflanzen nehmen und ihnen keinen Schaden zufügen.
Verzeih, was wir bisher falsch gemacht haben. Wir hoffen, dass es noch nicht zu spät ist. Gib uns Mut, für diese Sache zu kämpfen. Hilf uns, Herr. Amen.
Evangelisches Gesangbuch