Schöpfungsandachten

Andacht für die Schöpfung live in der Gethsemanekirche

freitags um 11:00 Uhr

Freitag, 19. Juni
Freitag, 10. Juli
Freitag, 21. August
Freitag, 18. September

 

Schöpfungsandachten zum Lesen

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 29. Mai 2020

Im Jahr 1972 veröffentlichte der Club of Rome seinen Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, in dem er Prognosen für die Lage des Globus vorlegte. Das Buch war ein Weltbestseller. Ein Aufschrei. Er wurde in 35 Sprachen übersetzt und schon damals über neun Millionen Mal verkauft.
Aurelio Peccei, der die Forschungsgruppe damals leitete, schrieb in dem Resümee: „Wir sind schließlich überzeugt, daß jeder vernünftige Versuch, einen dauerhaften Gleichgewichtszustand durch geplante Maßnahmen herbeizuführen, letztlich nur bei grundsätzlicher Änderung der Wert- und Zielvorstellungen des einzelnen, der Völker und auf Weltebene von Erfolg gekrönt sein wird“. Und er sagte, es bräuchte „eine geistige Umwälzung kopernikanischen Ausmaßes“ für die Umsetzung der Erkenntnisse in praktische Handlungen.
 
Gott,
wir müssen tätig werden. Hilf uns aus unserer Bequemlichkeit. Alles, was wir dafür brauchen, hast du uns gegeben. Dein Ja-Wort zu dieser, unserer Erde. Dein Ja-Wort an uns. Lass es uns zur Kraftquelle werden. Lass uns aufbegehren gegen den selbstsüchtigen Raubbau an der Natur. Lass uns aufbegehren gegen Luxus auf Kosten anderer. Und dann, hilf uns, es besser zu tun. Unter deinem Glanz wollen wir strahlen. Darum bitten wir.

Und Gott, öffne unsere Augen für all das, was uns geschenkt ist. Lass uns satt werden und glücklich und zufrieden, ohne anderen damit zu schaden. Das muss doch möglich sein. Darum bitten wir.

Und noch etwas: Wende uns immer wieder hin zu den Anderen, zu den Tieren und Pflanzen, zu den Wunden und den Schmerzen, zu der Wahrheit, zu dir. Wir brauchen eine Umwälzung kopernikanischen Ausmaßes. Immer wenn wir uns abwenden, wende du uns wieder zu. Darum bitten wir. Amen.

 

Eine Schöpfungsandacht zum 22. Mai

Ein Tag zum Hören und Stillsein.
Ein Tag mitten in Gottes Schöpfung.
Eingebunden, gehalten, bewahrt und gesegnet.

"Durch die Ökonomisierung unseres Lebens droht auch unsere Beziehung zum Leben selbst funktional zu werden. Yoga zur Erhaltung des Körpers und Meditation zur Steigerung der mentalen Leistungsfähigkeit sind eine Übertragung der egozentrisch-zweckdienlichen Einstellung in die Sphäre des Spiritualität.

Anstelle von Vertrauen, Hingabe und Demut geht es um kalkulierte Optimierung. Statt aus Verbundenheit und im Bewusstsein für ein geistliches Feld handeln wir aus der Illusion von Trennung im Sinne des Ego. Der oberflächliche Blick erkennt nicht, ob wir aus Hingabe oder für den eigenen Vorteil praktizieren, ob wir von Mangelbewusstsein oder Verbundenheit ausgehen.

Aber wir können uns fragen: 'Meditiere ich, um Stress zu reduzieren oder um die Welt zu hören?' Das Innenleben ist in beiden Fällen grundverschieden. Energetische Arbeit mag auch bei alltäglichen Belangen helfen, nur tiefere persönliche Entwicklung oder Weisheit sollten wir uns davon nicht versprechen."
Gerriet Schwen

 

Eine Schöpfungsandacht zum 15. Mai 2020

Eisheilige - Regen - wachsendes Grün.
Schön - wohltuend - zerbrechlich.

Und wir mitten drin in Schöpfung, Natur und Umwelt.
Dankbar - nachdenklich - schuldbewusst.

Gebet für die Schöpfung
Liebender Gott, du bist im Weltall wie im kleinsten deiner Geschöpfe gegenwärtig; du umgibst mit deiner Zuneigung alles, was existiert.

Schöpfer Gott, mach uns fähig, dich in der Schönheit des Universums zu sehen, wo alles von dir spricht.

Liebender Gott, wir beten für alle, die unter Waldbränden oder Überschwemmungen, an den Folgen von Erdbeben und Stürmen leiden. Schenke ihnen Hoffnung in ihrer Not.

Schöpfer Gott, wir möchten dich loben und dir danken, schenk uns die Gnade, uns mit allem, was ist, verbunden zu fühlen.

Liebender Gott, wir vertrauen dir alle jungen Menschen an, die neue Projekte in die Tat umsetzen oder sich für den Schutz unseres Planeten einsetzen.

Schöpfer Gott, du bist jeden Tag bei uns; steh uns bei in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

Liebender Gott, in deiner Gegenwart lässt du uns die unendliche Schönheit deine Schöpfung erkennen, all dessen, was von dir kommt, aus deinem unerschöpflichen Erbarmen. Du machst uns aufmerksam für andere und für die ganze Schöpfung. Zeige uns den Wert jeder Sache und mach uns zu Trägern deines Friedens in der ganzen Menschheitsfamilie.

Aus Taize - Abendgebet für die Bewahrung der Schöpfung

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 8. Mai 2020

Der Abwrackprämie hat Umweltministerin Svenja Schulze eine Absage erteilt. Stattdessen soll eine Innovationsprämie kommen, die auch die Bahn, den öffentlichen Nahverkehr, den Rad- und Fußverkehr fördert. Aber gleichzeitig soll die Automobilbranche natürlich Schlüsselindustrie in Deutschland bleiben. Selbst die Umweltministerin muss der Branche dieses Zugeständnis machen. Es geht wohl nicht anders wegen der vielen Arbeitsplätze. Ihre Lösung ist, dass einfach vermehrt Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden sollen, die „umweltfreundlich“ sind, die einen geringen CO2-Austoß haben oder am besten gar keinen.

Doch ist uns wirklich geholfen mit der E-Mobilität? Zwar stoßen die Autos dann kein Kohlendioxid und keine Stickoxide mehr aus. Die Kraftwerke dafür desto mehr. Denn sie produzieren den Strom, mit denen die Batterien geladen werden. Und dieser Strom wird in Deutschland noch mindestens bis 2038 zu 50 Prozent durch Kohle erzeugt. Auch für die Herstellung der Batterien ist eine immense Menge an Strom erforderlich. Und zusätzlich werden Mangan, Kupfer, Kobalt, Nickel und Lithium verwendet. Kobalt kommt überwiegend aus dem Kongo. Dort wird es auch von Kindern abgebaut, die oft nicht einmal Schutzkleidung tragen.

Ein anderes Thema ist der Reifen- und Bremsabrieb, der auch bei Elektroautos ganz genau derselbe bleibt. Anderthalb Kilo verliert ein Reifen in drei, vier Jahren und verwandelt den Verlust in Feinstaub, der die Luft verschmutzt. Viele Experten halten ihn für schlimmer als den CO2-Ausstoß.

Über all das spricht unsere Bundesregierung nicht, wenn sie betont, dass die Automobilindustrie auch in Bezug auf den Klimawandel krisensicher aufgestellt werden soll. Denn das E-Auto soll den Autofahrern ja ein „Weiter so“ mit gutem Gewissen ermöglichen.

Doch die Straßen bleiben überfüllt, selbst wenn die Autos umweltfreundlicher würden. Eine Analyse des Verkehrsdatenanbieters Tomtom hat ergeben, dass Autofahrer in München letztes Jahr 131 Stunden im Stau standen, also fünf Tage und elf Stunden. Dazu kommt noch die Parkplatzsuche.

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland VCD setzt sich zusammen mit einem breiten Bündnis für ein „Startgeld grüne Mobilität“ ein. Steuergelder sollen nur für nachhaltige und umweltschonende Formen von Mobilität verwendet werden: Wenn es eine Konjunkturhilfe pro Bundesbürger gibt, dann soll jeder selbst wählen können, wofür er sie ausgeben will. In Frage kommt ein ÖPNV-Jahresabo, ein Fahrrad oder Lastenrad, eine BahnCard oder einen Beitrag in einem Car-Sharing-Unternehmen. Oder doch auch ein Elektroauto. Es ist zumindest besser als ein Verbrenner.

Wichtig ist, dass die Innovationsprämie tatsächlich einen Beitrag zu einer umweltfreundlichen Ausrichtung unserer Mobilität leistet. Denn viel länger können wir nicht mehr damit warten, dem Klimawandel den Kampf anzusagen. Wir müssen handeln! So wie einst Noah: Seine Arche war fertig (1. Mose 7,4), sieben Tage, bevor der Große Regen kam.

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 1. Mai 2020

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

An Tag 2 baut Gott das Himmelsgewölbe über dem Wasser. Dafür braucht er einen ganzen Tag. - An Tag 3 scheidet er das Wasser vom festen Boden und schafft Meer und Festland. Er lässt auch gleich Grün wachsen: Bäume, Pflanzen und Früchte. - An Tag 4 hängt Gott Lichter in das Firmament, die Sterne. Dazu ein großes Licht für den Tag und ein kleineres, das die Nacht beleuchtet. - An Tag 5 schafft er Fische im Meer und Vögel unter dem Himmel. Und Gott sah, dass es gut war. - An Tag 6 schafft er alle Tiere.
Und dann sagt er plötzlich:

Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.

Gott schafft den Menschen am selben Tag wie die Tiere. Es gibt keinen Extra-Tag für ihn. Den Unterschied, den wir zwischen den übrigen Lebewesen und uns aufmachen, gibt es hier so nicht. Der Mensch wird eingebettet in die Schöpfungsordnung, ist gleichberechtigt mit den Tieren, nur die Verantwortung für die Tiere hat er. Er soll auf sie aufpassen und er soll in Frieden mit ihnen leben. Mensch und Tierwelt gehören zusammen, weil sie beatmete und belebte Schöpfung sind.

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Ebenbild meint nicht, dass wir wie Gott aussehen. Denn Gott wird hier nicht als Person, sondern als Geist und als Ordnungsmacht gedacht. Ebenbild meint vielmehr Stellvertreter Gottes auf Erden. Der Menschen bekommt den Auftrag, die Natur in Ordnung zu halten. Die Schöpfungsgeschichte beschreibt eine Weltordnung, nach der der Mensch zur belebten Natur und zu den Tieren gehört und in der er eine Bewahrungsaufgabe hat.

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

Und am Ende gibt es einen siebten Tag, der heilig zu halten ist. Am siebten Tag schließt Gott sein Schöpfungswerk ab. Und dann ruht er. Gott macht mal Pause. Er zeigt uns so: Es muss einen Tag in der Woche geben, an dem der Mensch nicht nach dem gewertet wird, was er produziert und geleistet hat. Denn er ist viel mehr als die Summe seiner Leistungen. An diesem Ruhetag wird einfach gefeiert, dass der Mensch da ist.

In dieser Geschichte von der Schöpfung geht es darum, dass die Welt weise geordnet ist. Zum Beispiel ist nicht vorgesehen, dass der Mensch Tiere isst. Er lebt von Früchten und Getreide. Gottes Welt ist gewaltlos. Und es ist eine Welt, in der es einen klaren Rhythmus gibt. Die Erzählung will nicht erklären, wie alles entstanden ist, sondern sie ist die Utopie einer großen Weltordnung. Gott teilt und sortiert. Er weist allem seinen Platz an. Und dieser Platz ist ein utopischer Platz in einer gewaltfreien Welt.

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 24. April 2020

Die Kirchen setzen sich schon seit über vierzig Jahren für die Bewahrung der Schöpfung ein. Auf ihrer Website benennt die Evangelische Kirche in Deutschland den Kampf gegen den Klimawandel als einen ihrer Schwerpunkte. Viele Kirchenvertreter setzen sich für eine engagiertere Klimapolitik ein, zum Beispiel auch Dr. Heinrich Bedford‑Strohm, wenn er die Große Koalition auffordert, beim Klimapaket nachzubessern, oder selbst auf eine Demonstration der Fridays for Future geht. Und auch wir in Gethsemane sehen, genauso wie viele andere Kirchengemeinden, in der Bewahrung der Schöpfung einen unserer Schwerpunkte. Wir haben uns Schöpfungsleitlinien gegeben und orientieren uns in allen Entscheidungen an ihnen. Im Herbst 2017 haben wir dafür das kirchliche Öko-Audit „Grüner Gockel“ erhalten.

Das Dumme dabei ist: Wenn ich beispielsweise meine Freunde frage, merke ich, dass eigentlich niemand mitbekommt, wie konsequent unsere Kirchenvertreter für eine gerechte und mutige Umweltpolitik eintreten. Sie machen sich auch keine Vorstellung davon, wie tief der Gedanke von der Bewahrung der Schöpfung im Bewusstsein vieler Gemeinden verankert ist. Das Engagement ist so groß und die Wirkung auf die Öffentlichkeit ist unverhältnismäßig klein. Da muss doch mehr gehen!

Und zwar nicht nur, damit wir uns als Kirche gut präsentieren. Das wäre zwar ein netter Nebeneffekt. Wichtiger ist mir, dass wir als Institution, die anerkanntermaßen für viel Gutes steht, Bewegungen wie Fridays for Future stärken. Aber dafür müssen wir eben erst einmal wahrgenommen werden!

Ein Weg könnte sein, das Bündnis „Churches for Future“ zu stärken. Wäre es nicht toll, wenn wir, wenn die Umweltdemos wieder aufgenommen werden, die Kirche dort als zahlenmäßig wahrnehmbare Gruppe repräsentieren würden? Ich wünschte mir, dass viele Christen aus ihrem Glauben heraus zusammen mit den anderen Demonstranten auf eine gerechtere Umweltpolitik pochten. Ein Bibelzitat aus der Bergpredigt spornt mich dazu an: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (Matthäus 5, Vers 16)

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 17. April 2020

Der Heilige Franziskus preist Gott in seiner ganzen Schöpfung

Der Sonnengesang
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.
Aus: Franziskus-Quellen, Butzon und Bercker 2009

An Ostern wurde Wim Wenders Film ‚Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes‘ ausgestrahlt. Darin sagt Papst Franziskus zur gegenwärtigen Zerstörung unserer Umwelt:  „Das Naturgesetz, wenn man so will, besagt, dass die Welt in Harmonie leben sollte, dass alle Lebewesen in Einklang leben sollten. Die gesamte Schöpfung. Alles, was der Harmonie der Schöpfung entgegenläuft, ist schlecht.“ Der Heilige Franziskus war ein Visionär zu seiner Zeit und bemerkte schon ganz früh, dass unser Verhältnis zur Natur aus dem Gleichgewicht geraten wollte und dass wir dazu neigten – wir tun es immer – die Welt auf dem Kopf zu sehen, und uns für ihre Herrscher zu halten, anstatt für sie Sorge zu tragen. „Wir dürfen die Fähigkeit des Zuhörens nicht verlernen! Franziskus war ein Mann des Zuhörens: Er hörte auf die Stimme Gottes, er hörte auf die Stimme der Armen, der Kranken und auf die Stimme der Natur. Und all das hat er zu einer Lebensweise geformt. Ich hoffe, dass die Saat des Heiligen Franziskus in vielen Herzen aufgehen möge.“

 

Gedanken von Pfarrerin Christine Gaser
Karfreitag, 10. April 2020

Karfreitag, ein dunkler Tag.
Ein Freitag, der dunkel beginnt und endet.
Ein Freitag voller Verachtung, Machtmissbrauch, Ignoranz,
Verurteilung, Verspottung.
Ein Freitag, der in drei Stunden Finsternis gipfelt
„Von der sechsten bis zur neunten Stunde.“

Für die, die unter dem Kreuz standen: das Ende.
Aus und vorbei.
Nur noch Vergangenheit – kein Gedanke an Zukunft.

Wir halten an diesem besonderen Freitag inne.
Spüren im eigenen Leben Situationen nach, in denen es dunkel für uns war,
es keine Zukunft zu geben schien.

Der Freitag, der so dunkel begann, endet im Grab.
Es kaum etwas auf Erden, das das Ende so deutlich macht.
Endgültig.
Aus und vorbei.
Ein dunkler Karfreitag.

Ein besonderer Freitag.
Wir brauchen ihn und den Blick auf das Kreuz.
Für uns und unseren Glauben.
Wir werden daran erinnert: Gott ist dem Leiden, Gott ist im Leiden nicht fern.

Wir brauchen diesen besonderen Freitag.
Als Trost jetzt – in dunklen und schweren Zeit.
Als Perspektive für Kommendes.
Als Möglichkeit, um im Leben und Glauben in die Tiefe zu wachsen.
Als Vorbereitung auf die Zukunft unseres Lebens und die Entwicklungen in unserer Welt.

Ein besonderer Freitag.
Im Englischen wird er Good Friday genannt.
Der Blick weg vom Geschehen damals auf Golgatha.
Der Blick auf das, was der Tod des Unschuldigen wirkt.
Heil und Erlösung.
Zukunft im gelobten Land Gottes.
Ja, ein guter Freitag.
Ein Freitag für meine Zukunft.

Seit mehr als einem Jahr gibt es die Bewegung "Fridays for Future".
Demonstrationen für eine gute Zukunft.
Erinnerung an Gottes gute Schöpfung.
Und an unsere Verantwortung.
Erinnerung an die Zukunft.
Ein dunkler Freitag reicht – ein für alle mal.
Fridays for Future.

Karfreitag: Ein guter Freitag für uns.
Ein Freitag für die Zukunft – für uns selbst und für unsere Welt.
Der wahre, der einzige Friday for Future.
Wir brauchen ihn.

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 3. April 2020

Mein Papa hat mir Anfang des Jahres einen Abschnitt aus einem Buch vorgelesen. Da unterhalten sich der Autor und seine Seele. Die Seele fragt: Wie erklärst du dir die vielen Menschen, die zwar nicht bestreiten, dass der Planet in Gefahr ist, aber deswegen auch nicht sonderlich beunruhigt sind?

Und er antwortet: Ich würde sie wahrscheinlich als dumm oder böse bezeichnen, wenn ich nicht selbst einer von ihnen wäre.

Mir geht es leider genauso wie dem Autor. Und ich frage mich: Warum ist das so? Warum weiß ich eigentlich ganz genau, was richtig und falsch ist, und handle nicht danach? Warum schäme ich mich schon seit zwei Jahren, dass ich mit dem Auto zur Arbeit fahre, mache es aber trotzdem? Warum will ich schon seit vielen Jahren meinen Fleischkonsum reduzieren, aber im entscheidenden Moment, wenn ich Hunger habe, schalten sich mein Verstand und mein Gewissen einfach aus und ich bestelle mir die Fleischpflanzerlsemmel, die mich da so anlacht? Warum ist es denn so verdammt schwer für mich, nach meinen Überzeugungen zu handeln und nicht den bequemeren Weg einzuschlagen?

Diese Fragen erinnern mich an eine Stelle in der Bibel. Im Jesajabuch im 6. Kapitel erhält der Prophet folgenden Auftrag: „Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet's nicht; sehet und merket's nicht! Verfette das Herz dieses Volks und ihre Ohren verschließe und ihre Augen verklebe, dass sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen.“

Hören und nicht verstehen … sehen und nicht merken … sich nicht bekehren und genesen … So geht es mir mit der Klimakrise. Ich höre, dass die Wissenschaftler Alarm schlagen. Ich sehe Berichte von Klimakatastrophen im Fernsehen. Und doch bin ich nicht voll überzeugt. Denn da sind auch diese ganz anderen Eindrücke: Ich schaue mich um, sehe einen strahlend blauen Himmel und höre die Vögel zwitschern. Bei einem Ausflug aufs Land entdecke ich die ersten zufriedenen Kühe auf den satten grünen Wiesen. Da fällt es mir echt schwer zu glauben, dass die Natur unter uns Menschen leidet, dass der Klimawandel bittere Realität ist und wir jetzt womöglich die allerletzte Chance haben, die Welt in genau dieser Schönheit zu erhalten.

In den letzten Wochen, als wir uns auf die Corona-Krise einstellen mussten, konnte man ähnliches beobachten. Fast niemand hat sein Verhalten geändert, bis uns in aller Deutlichkeit klargemacht wurde, wie ernst die Lage ist. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Virologen schon lange den Mund fusselig geredet, haben wir Fernsehbilder von beatmeten, sterbenden Menschen in Italien gesehen. Doch unser Verhalten haben wir nicht angepasst. Dazu brauchte es eine deutliche Fernsehansprache der Kanzlerin an das Volk, in der sie verkündete: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Sie appellierte an unsere Solidarität und drohte: „Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch, was womöglich noch nötig ist." Ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass selbst dieser Appell noch nicht reichte. Also verkündeten die Bundesländer weitgehende Ausgangsbeschränkungen. Und plötzlich hielten wir Abstand. Durch klare Sprache und entschiedenes Handeln hat die Politik es geschafft, uns die Größe des Problems zu vermitteln.

In der Klimakrise stellt sich die Regierung bis heute nicht der realen Größe des Problems. Weder in ihrer Kommunikation noch in ihren Handlungen vermittelt sie: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“

Ich hoffe, dass die Kanzlerin und ihr Kabinett es sich trauen werden, bevor es zu spät ist. Bis dahin appelliere ich an mein Herz und an meinen Verstand: „Verfette nicht! Du hast es gehört und gesehen. Kehre um!“ Denn ich will nicht, dass wir wie bei Corona erst am eigenen Leib spüren müssen, wie schlimm die Folgen sind, wenn wir zu lange Abwarten. Lieber raffe ich mich schon jetzt zu solidarischem Handeln auf, zu einer freiwilligen Selbstbeschränkung in Umweltfragen.

Einen ersten Schritt habe ich gemacht, nachdem mir mein Vater weiter von dem oben erwähnten Buch erzählt hat. Es handelt sich dabei übrigens um „Wir sind das Klima! Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können“ von Jonathan Safran Foer. Ich habe nachträglich einen guten Vorsatz für das Jahr 2020 gefasst: Ich möchte mich weitgehend vegetarisch ernähren. Als Limit habe ich mir gesetzt, dass ich höchstens zweimal pro Woche Fleisch essen will.

 

Eine Schöpfungsandacht von Vikarin Sophia Fürst
Freitag, 27. März 2020

Psalm 8
HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!
Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen,
Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,
den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:
was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,
mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.
Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk,
alles hast du unter seine Füße getan:
Schafe und Rinder allzumal,
dazu auch die wilden Tiere,
die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer
und alles, was die Meere durchzieht.
HERR, unser Herrscher,
wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Aus der einen Krise für die andere lernen – ein paar Gedanken
Immer öfter lese ich, wie Corona und die Klimakrise in Zusammenhang gebracht werden: Seit Corona Tourismus und Industrie Einhalt gebietet, sei das Wasser von Venedig kristallklar und Satellitenbilder von chinesischen Städten zeigten eine erheblich geringere Luftverschmutzung. Ich möchte gleich zu Beginn klarstellen: Man darf Corona nicht als Klima-Retter feiern! Der globale Treibhausgas-Ausstoß wird zwar dieses Jahr erkennbar niedriger sein, aber nicht infolge einer freiwilligen Selbstbeschränkung der Menschen. Es ist vielmehr ein tödliches Virus, das die Menschheit lahmlegt. Die Wirtschaftsleistung ist eingebrochen, Menschen haben existentielle Angst, unser gesellschaftliches Leben wird massiv beeinträchtigt und – vor allem – Menschen sterben. Dieser Preis für ein besseres Klima ist zu hoch!

Die Krise ist schrecklich. Dennoch glaube ich, dass wir die Chance haben, aus ihr für die Klimakrise zu lernen. Wir für uns selbst – und die Gesellschaft als Ganze – sollten uns jetzt Gedanken machen, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen, damit wir nach der Corona-Krise nicht einem unkorrigierten Wachstums-Fetisch huldigen. Politik muss die Wirtschaft und unser gesellschaftliches Leben steuern und kann das, wenn eine Krise deutlich spürbar ist. Sie stellt dann klare Regeln und Verbote zum Schutz der Allgemeinheit auf, und wir akzeptieren auch Zumutungen, weil wir verstehen, dass sie notwendig sind. So haben wir die Politiker gestärkt, weil wir ihnen zutrauen, dass sie verantwortungsvoll die richtigen Maßnahmen durchsetzen.

Die Klimakrise ist nicht so deutlich spürbar wie Corona. Das ist der Grund, warum es uns bis jetzt immer noch nicht gelingt, ihr entschlossen zu begegnen. Und doch mahnen uns so viele Wissenschaftler, dass wir uns kurz vor Kipp-Punkten befinden, deren Überschreiten katastrophale, nicht rückgängig zu machende Folgen hat. Die verantwortlichen Politiker müssen, analog zur Viruskrise, den Klimanotstand als solchen bezeichnen und entsprechend handeln. Und zwar mit klaren Regeln und Verboten, haben wir doch gesehen, dass es freiwillige Selbstbeschränkungen nicht richten werden. Ich bin mir sicher, dass wir auch diese Zumutungen akzeptieren werden, wenn wir verstehen, dass sie notwendig sind.

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber formuliert es so: „Derzeit wird sehr zu Recht von den jüngeren Teilen der Bevölkerung Solidarität mit den Älteren eingefordert, die ja viel stärker durch das Virus gefährdet sind. Umgekehrt sollten die Älteren beim Klima Solidarität mit den Jüngeren üben, denn Letztere werden die Folgen der Erderhitzung in ihrem Leben viel stärker spüren. Die Solidarität muss also wechselseitig sein. Man könnte es plakativ so ausdrücken: Wer achtlos das Virus weitergibt, gefährdet das Leben meiner Großeltern. Wer achtlos CO2 freisetzt, gefährdet das Leben meiner Enkel.“

Zum Weiterlesen empfehle ich ein Interview mit ihm:
https://www.klimareporter.de/gesellschaft/wir-brauchen-einen-klima-corona-vertrag

Gebet
Gott, du Schöpfer der Welt,
hilf uns, unsere Umwelt zu erhalten. Gib uns Einsicht, dass wir sie nicht mutwillig zerstören, dass wir Rücksicht auf Tiere und Pflanzen nehmen und ihnen keinen Schaden zufügen.
Verzeih, was wir bisher falsch gemacht haben. Wir hoffen, dass es noch nicht zu spät ist. Gib uns Mut, für diese Sache zu kämpfen. Hilf uns, Herr. Amen.
Evangelisches Gesangbuch